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Nicaragua: Immer mehr Kinder leben und arbeiten auf der Straße

aktiv gegen kinderarbeit |  Bild:  © earthlink e.v.

aktiv gegen kinderarbeit | Bild: © earthlink e.v.

Mindestens 300.000 Kinder und Jugendliche in Nicaragua sind auf Grund der Armut und der Arbeitslosigkeit ihrer Eltern darauf angewiesen zu arbeiten. Oftmals sind diese Kinder in den schlimmsten Formen der Kinderarbeit beschäftigt. Dies gaben internationale Institutionen und Nichtregierungsorganisationen gestern bekannt.

Daten der Encuesta Nacional de Trabajo Infantil y Adolescente, ENTIA, (Nationale Befragung zur Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen) gaben im Jahr 2005 noch bekannt, dass mehr als 300.000 nicaraguanische Minderjährige einer Beschäftigung nachgehen, um ihre Familien so finanziell zu unterstützen. Diese Zahl sei in den letzten Jahren jedoch weiter angestiegen.

Viele Nichtregierungsorganisationen fordern von der nicaraguanischen Regierung  ein höheres Budget im Gesundheits- und Bildungssektor, um die arbeitenden Minderjährigen in das Bildungssystem einzugliedern und sie medizinisch versorgen zu können.
Ungefähr 22% der Kinder unter fünf Jahren leben in Nicaragua in extremer Armut. Diese Situation betrifft auch 23% der Kinder zwischen sechs und elf Jahren.
Der Volkswirt Adolfo Acevedo erklärt, dass in Nicaragua in den letzten vier Jahren 27.000 Arbeitsstellen von Familienvätern verloren gingen, was vor allem die Kinder dieser Familien betrifft. Sie sind somit gezwungen auf der Straße zu arbeiten, um überhaupt ein Einkommen zu haben.

Bereits im Jahre 2006  arbeiteten 3,3% der Kinder auf der Straße, im informellen Sektor. Die Kinder stammen oft aus Familien, die von Naturkatastrophen, Drogen, Alkohol und Arbeitslosigkeit betroffen sind. Oftmals ist auch die Reduzierung des Agrarsektors, der den Exodus in die urbanen Zentren bewirkt, dafür verantwortlich. Hinzu kommt außerdem oft die Abwesenheit eines  Elternteils, der ins Ausland migriert ist, um seiner Familie so ein besseres Leben zu ermöglichen.
Die Kinder und Jugendlichen fühlen sich demnach zur Arbeit auf der Straße gezwungen. Viele leben auch auf der Straße, oder flüchten von den Misshandlungen, die sie zu Hause erleben. Diese Kinder sind Ausbeutung, Gewalt und Misshandlungen schutzlos ausgesetzt.

Obwohl es verschiedene Regierungsprogramme gibt, um die Minderjährigen von den Straßen zu holen, leben immer noch acht von zehn Kindern ohne institutionelle Unterstützung.

Eine nicaraguanische Nichtregierungsorganisation erklärte zum Beispiel, dass sich Nicaragua in einem unaufhaltsamen Prozess der Verarmung befinde, der durch die Arbeitslosigkeit im Landwirtschaftssektor verschlimmert werden würde.

Es wird bemängelt, dass die Regierung keine effizienten Programme einführt, um gegen Kinderarbeit, Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen und Gewalt gegen Kinder anzukämpfen.

Durch arbeitslose Eltern, fehlende politische Programme und Investitionen im Sozialsektor seien Kinder nach wie vor am schlimmsten von der Wirtschaftskrise im Land betroffen.

 

Link zum Artikel (Spanisch) – nicht mehr abrufbar am 21.05.2014

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