Desmond Tutu plädiert für größeres Engagement der Männer gegen Kinderheirat

Bild: © n.v. - Wikimedia Commens

Der anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu sieht die Männer in der Verantwortung, sich stärker gegen die Zwangsverheiratung junger Mädchen einzusetzen. Denn es seien hauptsächlich patriarchalische Traditionen gewesen, welche die zweifelhafte Praktik genährt und gefestigt hätten. Dies erklärte er im Rahmen eines Gesprächs, das er bei der Präsentation der „Childs Not Brides“-Kampagne in New York führte.

Noch geben in Tutus Heimat Südafrika – genauso wie in den meisten Ländern der Erde auch-  überwiegend Männer den Ton an. Sie stehen überall an der Spitze, gleich, ob es sich um eine politische, soziale oder religiöse Führungsposition handelt. So seien sie auch in der Verantwortung, ihren Einfluss auf die Gesellschaft zu nutzen, um gegen menschenunwürdige Praktiken wie die Kinderheirat vorzugehen.

Besonders die Mädchen leiden weltweit darunter. Nach Schätzungen werden von ihnen jährlich zehn Millionen verheiratet, bevor sie das 18. Lebensjahr erreichen. In einigen Entwicklungsländern wird jedes siebte Mädchen bereits mit 15 verheiratet. Die höchsten Raten weisen Länder in Zentral- und Westafrika, in Südasien und dem mittleren Osten auf. Der Niger hat die höchste Rate, während Indien die meisten Kinderbräute vorweisen kann – jede dritte stammt aus dem Subkontinent.

Dem Geistlichen sei der Zusammenhang auch erst durch eine Reise in den Norden Äthiopiens klar geworden, da er dort die Gelegenheit hatte, mit jungen Männern und Frauen über die Problematik zu reden. Das Engagement einiger Personen vor Ort gegen die Kinderheirat habe ihn zu der Überzeugung gebracht, dass die Bekämpfung dieser Zwangsheirat eine der größten gegenwärtigen Herausforderungen der Menschheit sei. Auch die Millennium- Entwicklungsziele der Vereinten Nationen – acht zentrale entwicklungspolitische Forderungen, die im Jahr 2000 von der bis dato größten Zusammenkunft von Staats- und Regierungschefs unter Leitung der VN ausgearbeitet wurden – seinen ohne die Ächtung der Kinderheirat nicht zu erreichen.

Die frühzeitige Heirat ist in der Regel mit einer baldigen Schwangerschaft verbunden, was die Mädchen einem hohen Risiko aussetzt. Bei minderjährigen Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, bei der Geburt zu sterben, um ein fünffaches höher. Aber auch ohne die Schwangerschaft haben die jungen Frauen erhebliche Defizite im Bereich der Bildung, was kaum Hoffnung macht, kommenden Generationen von Frauen ein ähnliches Schicksal zu ersparen.

So ist es im Moment besonders an den Männern, dem Kreislauf ein Ende zu setzen. Auch wenn die Tradition ein Hindernis darstellt, zeigen doch historische Prozesse wie die Abschaffung der Sklaverei oder der Apartheid, dass ein Wandel möglich ist. Auch müssen bedeutend mehr Frauen in Führungsposition befördert werden. Tutu zeigt sich überzeugt, dass durch die kollektiven Bemühungen ein Fortschritt zu erreichen ist.

 

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Über Mathias / EarthLink

Praktikant bei EarthLink / Student der Politikwissenschaft mit Nebenfach Geschichte an der LMU München. Aufgabenbereiche: Projektmitarbeit "Aktiv gegen Kinderarbeit" und "Drogen Macht Welt Schmerz"
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