Das Schicksal des Yay Chan – ein Kindersoldat in Myanmar

Vietnam

Bild: © n.v. - Wikimedia

Obwohl es das Gesetz verbietet, Kinder unter 18 Jahren für die Streitkräfte zu rekrutieren, ist dies die gängige Praxis in Myanmar (Burma). Eine Mutter hat sich nun an die Medienorganisation “Demcoratic Voice of Burma” gewandt und den Fall ihres heute 15jährigen Sohnes geschildert:

Der damals 13jährige Yay Chan aus dem Stadtteil Hlaing Tharyar in Rangoon war 2009 nach einem heftigen Streit mit dem Vater von Zuhause weggelaufen. Nach vier Monaten erfuhren die Eltern, dass er von Armeeangehörigen in ein Trainingscamp nach Mon State´s Thaton gebracht und später in das Bataillon 312 versetzt worden war. Alle Einsprüche der Eltern wurden abgelehnt. Anfang Mai 2011 gelang dem Jungen die Flucht – nach seiner Rückkehr zu den Eltern wurde er von Polizisten und den örtlichen Behörden zurück zu seiner Einheit geschickt. Kurze Zeit später entkam der Junge erneut und versteckte sich bei seinen Eltern. Dieses Mal wurde er von etwa 50 Regierungsbeamten abgeführt – auf der Polizeistation wurde er geschlagen und zu einem Militärzentrum gebracht. Dort wirde der Junge seit dem 5. Juli festgehalten und gefoltert. Die Familie erhält nun Unterstützung von Menschenrechtsverteidigern: Sie bereiten eine Beschwerde vor, die sie bei der Vertetung der ILO in Rangoon einreichen werden.1)

In Myanmar sind solche Geschichten keine Seltenheit. Schätzungen gehen von weltweit 250.000-300.000 Kindersoldaten aus – 77.000 davon vermutlich in Burma. Ein Gesetz verbietet zwar die Rekrutierung von Minderjährigen als Soldaten, in der Praxis sieht es aber folgendermaßen: Seit 1988 wurde die Armee Myanmars immer weiter vergrößert. Da die reguläre Zahl der Soldaten nicht ausreichte, wurden zunehmend Kinder an Bus- und Zugstationen oder an öffentlichen Plätzen angesprochen und rekrutiert. Viele Kinder werden bedroht, beispielsweise mit Gefängnisstrafen, sollten sie nicht einwilligen, mitzukommen. Zwischen 35 und 45 Prozent aller Soldaten in Myanmar sind auf diese oder ähnliche Weise rekrutierte Kinder. Einmal in der Armee, werden sie unter anderem als Spione oder Wachtposten eingesetzt, aber auch für Kampfhandlungen. Die Behörden dulden diese Vorgänge, geben sie doch teilweise auch Rekrutierungsquoten für Kinder vor und schönigen die Altersangaben der Kinder. Gelingt es Kindern wie dem 15jährigen Yay Chan zu fliehen, droht ihnen eine Gefängnisstrafe zwischen einem und zwei Jahren wegen Fahnenfluchts. Das Gesetz schützt die Kinder also in keinster Weise – sogar wenn sie fliehen, gehen die Interessen der Armee vor!

 

 

Link zu allgmeinen Infos über Kindersoldaten in Myanmar

  1. dvb.no – Recaptured child soldier tortured: mother – Link zum Artikel nicht mehr abrufbar am 21.03.2014 []

Über bernadette / EarthLink

Nach meinem Studium an der Universität Regensburg (Bachelor in Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Öffentliches Recht und VWL) habe ich Land und Leute in Australien kennen gelernt und bin jetzt für ein zweimonatiges Praktikum bei EarthLink gelandet. Hier schreibe ich hauptsächlich Einträge für den Blog der Kampagne "Aktiv gegen Kinderarbeit" und beteilige mich am Projekt "Drogen Macht Welt Schmerz".
Dieser Beitrag wurde unter Fall abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.