USA: Der Fall Evelyn Chumbow – eine moderne Sklavin

Evelyn Chumbow, die 1986 in Kamerun geboren wurde, ist ein Symbol für modernen Sklavenhandel in den Vereinigten Staaten, ihre Geschichte ein Beispiel für die Vorgehensweisen der Menschenhändler. 1996 wurde sie von der Menschenhändlerin Theresa Mubang von Kamerun in die USA gebracht. Evelyn selbst und ihren Eltern versprach Frau Mubang eine erstklassige Ausbildung und erfolgreiche Zukunft, aber statt der versprochenen Schulbildung musste das Mädchen kochen, putzen, aufräumen, und sich um die zwei Kinder ihrer Peinigerin kümmern. Wenn Evelyn ein Fehler unterlief, bekam sie über Wochen nichts zu essen oder musste auf dem kalten Garagenboden schlafen. Sie durfte nicht telefonieren und hatte keine Möglichkeit Kontakt zu ihren Eltern aufzunehmen. Es war ihr nicht möglich um Hilfe zu bitten, da sie niemanden außer der Familie Mubang kannte, nichts über die Benutzung eines Telefons und die Notrufnummer 911 wusste, und ihr soziale Fürsorge-Organisation nicht bekannt waren. Mit siebzehn Jahren gelang dem Mädchen jedoch die Flucht. Sie lebte auf der Straße, bis sie sich, mit Hilfe einer neu gewonnenen Vertrauten, einem Pfarrer anvertrauen konnte, der ihren Fall an Hilfsorganisationen weitergab. Im Zuge der anschließenden Ermittlungen kam ans Licht, dass Theresa Mubang, die Menschenhändlerin, zuvor schon wegen Betruges verurteilt wurde und auch schon 1995 ein zehn jähriges Mädchen aus Kamerun in die Vereinigten Staaten geschmuggelt hatte. Aufmerksame Nachbarn hatten damals bemerkt, dass das Mädchen nicht in die Schule ging sondern stattdessen das Kind Mubangs versorgte. Nachdem Evelyn weggelaufen war, besorgte sich Mubang ein neues Mädchen, das allerdings auch flüchtete. Theresa Mubang wurde im Jahr 2005 zu einer Gefängnisstrafe von 17 Jahren verurteilt, floh aber vor der Urteilsverkündung. Ermittler fanden heraus, dass sie sich in ihrer Heimatstadt in Kamerun versteckt, in der sie schließlich verhaftet wurde. Daraufhin wurde sie in die USA zurückgeführt und sitzt nun im Gefängnis. Evelyn Chumbow ist jetzt 25 Jahre alt, hat 2010 ihr Studium erfolgreich abgeschlossen und möchte sich aktiv dafür einsetzen, dass solche Fälle von Menschenhandel und Sklaverei nicht mehr vorkommen. In einem aktuellen Interview des CNN (23. Juni 2011) betont Evelyn Chumbow, dass Mubang bezahlt für das was sie getan hat. Allerdings macht sie sich Sorgen um die Kinder, die nun ohne Mutter aufwachsen müssen; eine Tatsache, die ihr aus eigener Erfahrung schmerzlich in Erinnerung ist.

Der Hintergrund zum Fall:

Berichte aus dem Jahr 2007 geben an, dass jedes Jahr 14 500 Personen aus aller Welt in die USA geschmuggelt werden. Auf der ganzen Welt wurden 2006 um 800 000 Menschen gehandelt. Das amerikanische Außenministerium schätzt, dass Menschenhändler mit dem Verkauf von Personen jährlich ungefähr 9,5 Milliarden US Dollar verdienen, während die Internationale Arbeitsorganisation den Gewinn der gesamten Menschenhandelsparte mit 32 Milliarden US Dollar angibt. In den USA wurden 2006 98 Personen wegen Menschenhandel verurteilt, mehr als in jedem anderen Land.

Link zum Interview mit Evelyn Chumbow auf CNN (englisch)

Link zum Artikel – Schläge, Isolation und Angst: Das Leben eines Sklaven in den USA – ABC News (englisch)

Link zum Artikel – CCBC Studentin macht ihren Abschluss und überkommt Widrigkeiten – ABC News (englisch)

Link zum Artikel – Wegen Versklavung eines Mädchens verurteilte Frau flüchtet – Washington Post (englisch)

Link zum Artikel – Menschenhandel: USA gegen Theresa Mubang – Cameroon Echoes – Link nicht mehr abrufbar – 22.01.14

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