Briten entschuldigen sich für die Deportation zahlreicher Kinder

Bevor in den 1960ern diese Praktik verboten wurde, zwangen Behörden mehr als 130.000 britische Kinder, nach Australien zu ziehen und dort ein neues Leben ohne ihre Eltern zu beginnen. Drei Jahre nachdem diese Vorgehensweise als illegal erklärt wurde, waren der 11 Jahre alte Rex Wade und sein kleiner Bruder Kevin die letzten Beiden, die ans andere Ende der Welt geschickt wurden. Als Rex damals in Tasmanien ankam, wurde er gezwungen, teilweise unter Schlägen, zu arbeiten und letztendlich nach einem Fluchtversuch ins Gefängnis gesteckt. Als er im Alter von 26 schließlich befreit wurde, verkaufte er all sein Hab und Gut, um sich ein Ticket nach Hause zu kaufen. Jetzt, mit 51 Jahren, erhielt er endlich ein Entschuldigung von den britischen Behörden, die ihn damals fortgeschickt hatten. Link zum Artikel auf Englisch
Mr. Wade berichtet, wie er und sein Bruder nach dem Tod seines Vaters im Dezember 1970 von Gemeinderatsmitglieder aus Cornwall ihrer Mutter entrissen und nach Australien geflogen wurden. Wade, der jetzt in Newquay lebt, erzählt: “Wir wurden jeder mit einem Koffer in ein Flugzeug gesetzt. Meine Mutter habe ich niemals wieder gesehen. Wir hatten keine Ahnung, was mit uns passierte. Wir wurden in ein Heim gesteckt, wo wir regelmäßig bestraft und geschlagen wurden. Diese Erfahrung hat mein Leben ruiniert. Wir wurden wie Sklaven behandelt. Es war falsch und hätte niemals geschehen dürfen.” Mehr als 130.000 arme und verwaiste britische Kinder hat man damals nach Australien deportiert, um sie dort als Kinderarbeiter zu verwenden, bevor dieses Verfahren 1967 gesetzlich verboten wurde. Im sogenannten “Child Migrants Programme” wurden Tausende von Kindern, unter Billigung der Regierung, durch Kirchenorganisationen und Wohlfahrtsverbände in Länder des Commonwealth geschickt. Ab den 1930ern transportierte Großbritannien Kinder, die teilweise gerade drei Jahre alt waren, auf bäuerliche Betriebe in Neuseeland, Kanada und Australien. Sie wurden als Waisen klassifiziert, waren jedoch zum Teil nur Kinder aus armen Familien mit unverheirateten Müttern. Meist benutzte man sie als billige Arbeitskraft oder setzte sie physischer Gewalt und sexuellem Mißbrauch aus. Die Gebrüder Wade wurden regelmäßig von dem Paar, welches das Heim leitete, geschlagen. Nachdem Rex Wade wieder nach England zurückkehrte und heiratete, verfiel er dem Alkoholismus und kämpft noch heute dagegen an. “Das Leben im Heim war grausam”, berichtet Wade. “…wenn das Gras nicht richtig geschnitten war, wurdest du bestraft und er warf Steine oder die Schaufel nach dir, bis du es richtig machtest.” Kevin Wade ging zur Marine, nachdem er das Heim in den 1980ern verließ. Er lebt immer noch in Australien. Ein Sprecher des Cornwall-Gemeinderats entschuldigte sich vor kurzem und sagte, daß die Migration “ein trauriges und sehr gefühlsgeladenes Kapitel in der Geschichte des Landes gewesen wäre.” Er fügte hinzu: “Moderne Praktiken, die von den Gerichten überwacht werden, würden diese Option für Kinder, die sich in Betreuung lokaler Behörden befinden, nicht in Betracht ziehen.” Der Gemeinderat hat mittlerweile eingesehen, daß dies eine schwere Erfahrung für manche Menschen war und ihnen Seelsorge und Unterstützung zugesagt. Mr. Wade wurde von der tasmanischen Regierung entschädigt. Zusätzlich entschuldigte sich noch der australische Premierminister Kevin Rudd bei denjenigen, die damals mißhandelt oder vernachlässigt wurden, als sie sich in staatlicher Obhut befanden.

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