Generationsübergreifende Kinderarbeit in Westafrika

Ungefähr 200.000 Kinder in West- und Zentralafrika sind Sklaven, die von ihren Eltern verkauft wurden. Die Kinder werden ausgebeutet, geschlagen und bekommen zu wenig zu essen. Einige kaufen sich, sobald sie erwachsen sind auch Sklaven. In Ghana schickte Rebecca ihren fünfjährigen Sohn John zu Verwandten. Mary schickte ihren vierjährigen Sohn Evans „zur Schule“. Die zwei Jungen, die aus der gleichen Stadt in Ghana kamen, wurden jedoch zur Arbeit am Volta See zum Fischen gezwungen. Sie mussten vierzehn Stunden pro Tag arbeiten und wurden für jeden Fehler bestraft. Wie ihr Sohn war Rebecca auch ein arbeitendes Kind. Ihre Mutter versprach ihr, dass sie bei ihrer Tante wohnen und eine Berufsausbildung genießen würde, aber sie musste als Haushälterin arbeiten. Mary, Evans Mutter, wurde von ihrem Vater zu ihrem Onkel geschickt, der Fischer am Volta See war. Dort arbeitete sie von 3 Uhr in der Früh bis spät in die Nacht. „Mein Vater hat mich nie geliebt,“ sagt sie. Seit Generationen sind Ghana und andere westafrikanische Länder das Zentrum des Kinderhandels und der Sklaverei. 200.000 arbeitende Kinder werden hier ausgebeutet, sie bekommen kaum Nahrung und erhalten weder Bildung noch medizinische Betreuung.

Gesetze gegen Kinderarbeit haben minimale Ergebnisse erzielt. Gerade in dieser Gegend fuhren Schiffe mit zahllosen Sklaven aus Afrika nach Amerika los. Heutzutage aber werden Kinder für 20 € oder 35 € verkauft und müssen unbezahlt als Sklaven arbeiten. Oft müssen Mädchen als Haushälterinnen arbeiten. Sie müssen Wasser und Holz holen, putzen, kochen und waschen. Oft werden sie auch sexuell ausgebeutet. Jungen werden meist zum Fischen am Volta See gezwungen.

Die Geschichten zweier Mütter und ihrer Söhne, die zur Sklavenarbeit gezwungen wurden sind beide sehr traurig. „Ich hatte immer Angst. Mein Arbeitgeber schlug mich, seine Frau auch. Morgens und nachts weinte ich. Ich fürchtete, dass sie mich töten wurden", sagt Rebecca, die 13 Jahre ihrer Kindheit in einem Haushalt arbeitete. Die Worte ihres Sohnes sind ähnlich. Mary arbeitete neun Jahre lang und wurde mehrmals vergewaltiget, bevor sie floh. Ihr Bruder, ein ehemaliger Kinderarbeiter und heute Fischer am Volta See, bot ihr an, Evans in die Schule zu schicken. „Ich dachte nie, dass mein Bruder ihn arbeiten lassen würde", sagt Mary. Abends mussten Evans und die andere Kinder die Netze leeren und wieder ins Kanu legen. „Wenn wir müde und hungrig waren, legten wir uns ins Kanu. Doch dann kam unser Herr und schlug uns", sagt Evans. „Er war nicht gebildet; deswegen wollte er auch nicht, dass ich gebildet bin.“

Am Tag des Fischmarkts sitzen Kinder im Kanu oder tragen Körbe. George Achibra rettet diese Sklaven. Er sagte, er habe 216 Kinder für verschiedene Organisationen gerettet. „Zahllose Kinder arbeiten hier am See. Ihre Herren bringen sie nicht zum Krankenhaus. Sie haben nicht genug zu essen. Ihre Unterkünfte sind schlimm", erklärt er. Achibra versucht, die Fischer zu überzeugen, die Kinder frei zu lassen.

Isaac war fünf Jahre alt, als seine Mutter ihn verkaufte. Zwei Jahre arbeitete er beim Fischen, danach wurde er gerettet und zurück nach Hause geschickt. Einen Monat später verkaufte seine Mutter ihn wieder. Von Achibra gerettet, wohnte der zehnjährige Isaac mit 20 Kindern in einem Kinderheim in der Nähe der Hauptstadt. Dies lässt die Frage aufkommen, ob gerettete Kinder bei ihren Müttern oder in einem Kinderheim wohnen sollten. Gideon Degbe wohnt auch im Kinderheim und erinnert sich an den Tag, an dem seine Mutter ihn verkaufte. Sie ging weg und blickte nicht zurück. „Ich würde nie bei ihr wohnen", sagt er. Einige Organisationen aber, wie die International Organisation for Migration, wollen die Kinder mit ihren Eltern wiedervereinigen und ihre Bildung unterstützen. John und Evans wurden gerettet, kehrten zu ihren Müttern heim und gehen nun in der Schule. Um den Teufelskreis der Sklaverei zu durchbrechen, muss eine Generation Bildung erhalten. „Ich glaube, mein Sohn wird der erste sein", sagt Mary.

Link zum Artikel (englisch)

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