Sao Paolo: Sozialprojekt soll Kindern den Schulbesuch ermöglichen

Nach Angaben der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) müssen weltweit 250 Millionen Kinder arbeiten gehen – darunter zwischen drei und fünf Millionen in Brasilien. Sie stammen meist aus armen Familien und leben in den Vororten der Städte, den Favelas. Sie arbeiten tagsüber, um abends etwas zu essen zu haben. Aussicht auf eine bessere Zukunft haben sie nicht. Es fehlt ihnen nicht nur an Bildung, sondern die tägliche Arbeit auf der Straße oder in Fabriken birgt auch gesundheitliche Risiken. Nur mit Appellen an Arbeitgeber und Eltern ist dieser Missstand allerdings nicht aufzuheben. Kinderarbeit ist kein Produkt von bösem Willen, sondern ein Ergebnis von gesellschaftlichen Missständen und einem weltweitem ökonomischen Ungleichgewicht. Um Kinderarbeit dauerhaft zu vermeiden ist die schulische Ausbildung der Heranswachsenden unerlässlich. Da die Ausbeutung von Kindern für viele Familien aber die einzige Möglichkeit ist Geld zu verdienen, sind Schulbesuche oftmals undenkbar. Daher hat die Stadt Sao Paolo ein Programm gestartet, dass Familien dazu bringen soll, ihre Kinder in die Schule zu schicken. 
Familien erhalten bis zu 40 Euro monatliche Unterstützung, wenn sie Aufklärungs-veranstaltungen besuchen und den Kinder den Schulbesuch ermöglichen. Werden diese Auflagen nicht eingehalten, wird die Unterstützung gekürzt oder gestrichen und den Eltern drohen Strafen, die bis zum Verlust des Sorgerechts führen können. Antonio Carlos, ein Streetworker der Stadt, schätzt die Zukunftsaussichten dennoch als katastrophal ein. Das liege an dem schlechten Ausbildungsniveau an vielen öffentlichen Schulen, meint Carlos: "Oft trifft man auf 14-Jährige, die zwar alphabetisiert wurden, aber funktionale Analphabeten sind – sie können gerade den Namen und vielleicht noch ein paar andere Wörter schreiben." Zu den schlechten Ausbildungsbedingungen kommen skrupellose Unternehmen, z.B. in der Zuckerrohr- oder Textilindustrie, die Kinder schamlos ausbeuten. Die Stadt gewährt denen, die keine Kinder beschäftigen Steuervergünstigungen. Da Kinderarbeit ein Resultat der Armut ist, kann sie nicht isoliert behoben werden. Vielmehr sollte es den Unternehmen möglich gemacht werden Erwachsene zu vernünftigen Löhnen anzustellen, damit diese wiederrum ihre Kinder in die Schule schicken können. Investitionen in Bildung und Ausbildung bringt mittel- und langfristig den größten Gewinn. Dabei ist nicht nur das betroffene Land selber gefordert, sondern auch die Regierungen und Unternehmen der westlichen Länder. Durch ihren unermüdlichen wirtschaftlichen Wettbewerbskampf und dem unzureichendem Interesse grundlegende Dinge zu verändern sind diese schließlich mitverantwortlich für diesen Teufelskreis.

Quelle: tagesschau.de

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