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Die Kehrseite der Medaille: Welche Folgen haben Gesetze gegen Kinderarbeit in Südafrika?

Seit 1996, zwei Jahre nach dem Untergang der Apartheid, ist Kinderarbeit in Südafrika offiziell verboten. Wirklich beachtet wird das Gesetz allerdings erst seit dem Jahr 2002, als ein elfjähriges Mädchen während der Farmarbeit ihr Bein verlor und umgerechnet 2.500 US$ Entschädigung einforderte. Kinderarbeit war lange Zeit eine zwingend notwendige zusätzliche Einkommensquelle in der verarmten Region. Eine konsequente Befolgung des Gesetzes hat die Rate der auf Farmen beschäftigten Minderjährigen nun signifikant abnehmen lassen und zieht ungeahnte Folgen mit sich: „Kinder aus dem Produktionsbereich zu entfernen, hat Kinderarmut und wirtschaftliche Unsicherheit in vielen Fällen verstärkt“, so Susan Levine, Kinderrechtsforscherin an der Universität von Kapstadt.
„Es müsste vorhersehbar gewesen sein, dass ohne eine radikale Umstrukturierung der wirtschaftspolitischen Bedingungen, Landzuteilung und bedarfsdeckende Landwirtschaft, der Lebensunterhalt nicht dauerhaft zu sichern ist.“ Levine zufolge hätten viele Kinder die Erntezeit als die wertvollste des Jahres betrachtet, weil sie Geld verdienen konnten, sich durch ihre Eltern geschätzt fühlten und Stolz, Zugehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühle erfahren hätten. Die Einhaltung des Verbots der alljährlichen Saisonarbeit zieht demnach auch psychosoziale Konsequenzen mit sich. Die rückblickende Wahrnehmung sei jedoch ambivalent: Viele Kinder klagten über verheerende Arbeitsbedingungen und Ausbeutung durch die Farmer. Dennoch wird das Vakuum, das die gesellschaftliche Verankerung des Gesetzes hinterlassen hat, nicht durch Bildungsangebote oder Freizeitaktivitäten gefüllt. Der Schulbesuch ist weiterhin nur bis zum Alter von 15 Jahren kostenlos. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, prostituieren sich viele Jugendliche oder handeln mit Alkohol und Drogen. Dadurch hat sich das Problem der Kinderarbeit lediglich in weniger transparente soziale Randbereiche verlagert. Link zum Artikel (englisch)

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