Unter der Dunstglocke

Seit der Unabhängigkeit im Jahre 1964 setzt das in Südostafrika gelegene Malawi ganz auf Tabak. 70 % der Devisenerlöse des Landes stammen aus dem Tabakexport. Der größte Anteil ist dabei für die EU bestimmt. Rund 44% des malawischen Tabaks gehen dort hin, gefolgt von 13%, die in die USA exportiert werden. Die Firmen Philip Morris und B.A.T. sind hier die größten Abnehmer von Tabak aus Malawi. Und auch der Großhandel ist fest in der Hand ausländischer Unternehmen. Die US-amerikanischen Rohtabakäufer Universal Corporation und Alliance One International kaufen rund 91% des Rohtabaks auf und bestimmen damit über das Wohl von 600 000 bis 2 Millionen im Tabaksektor beschäftigten Malawier. Um sie ist es nicht sehr gut bestellt. Die weltweite Überproduktion von Tabak hat zu einem Preisverfall geführt, die Exporterlöse früherer Jahre können längst nicht mehr erreicht werden. In den Hungerjahren 2001/2002 und 2005 starben Tausende von Tabakbauern. Doch die weit verbreitete Armut im Land und kaum alternative Einkommensmöglichkeiten, lassen vielen Malawiern keine andere Wahl als sich Arbeit im Tabaksektor zu suchen. Dort erwarten sie dann ausbeuterische Bedingungen: keine schriftlichen Verträge, das Einkommen zu gering, um eine gesicherte Existenz zu garantieren und Kontakt mit hochgiftigen Pestiziden sind hier Alltag. Auch die bis zu 80 000 beschäftigten Kinder bleiben davon nicht verschont. Bemühungen dies zu ändern? Nur allmählich. Anfang Juni haben Abgeordnete des Deutschen Bundestages der malawischen Tabaksgewerkschaft bei ihren Bestrebungen, die festgefahrene malawische Regierung zum Umdenken zu bewegen, ihre Unterstützung zugesagt. Artikel bei der Zeitung Neues Deutschland

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