Image und Augenwischerei

Es ist eine Pressemitteilung im Umlauf, der zufolge der irische Textildiscount Primark die Handelsbeziehungen zu drei seiner Zulieferer aufgekündigt haben soll, nachdem bei diesen Fälle von Kinderarbeit bekannt geworden waren. Der Vorfall ist ein Musterbeispiel für die Unübersichtlichkeit globaler Produktionsketten –und für die Macht der Medien. Zunächst hatte Primark sofort gehandelt, nachdem das Unternehmen von Kinderarbeit bei seinen Zulieferern erfuhr. 3 seiner Zulieferer in Südindien hatten Aufträge an Subunternehmen weitergegeben, ohne Primark darüber zu informieren. Dass bei diesen Subunternehmen Kinder in Heimarbeit Stick- und Näharbeiten ausführen mussten, mag der Grund für diese Verschleierungstaktik gewesen sein. Primark verbietet in seinen Code of Conducts Kinderarbeit ausdrücklich. Etwa 0,04% der weltweiten Bestellungen von Primark sollen in eben dieser Heimarbeit von Kindern hergestellt worden sein. Primark reagierte, kündigte Geschäftsverträge auf und gab bekannt, weitere Schritte vorzunehmen, um eine bessere Überwachung seiner Zulieferer zu gewährleisten. Den entscheidenden Hinweis zur Kinderarbeit bei seinen Zulieferern bekam Primark von der BBC. Und hier wird es dubios. Denn der britische Fernsehsender Channel 4 hatte für den 1. Juni geplant, eine Dokumentation über die Fabriken von Primark zu zeigen. Die Sendung wurde jedoch aus bis dato unbekannten Gründen im letzten Moment aus dem Programm gestrichen. Nun kann sich Primark selbst als ethisch gewissenhaftes Unternehmen feiern lassen, eine vorzeitige Aufdeckung der Fälle konnte es verhindern. Und Primark hat allen Grund, sein Image zu verbessern. 2005 landete das Unternehmen mit 3,5 von 20 Punkten auf dem letzten Platz des von der Zeitschrift Ethical Consumer erstellten Ethical Index. Und auch sonst gibt es immer wieder Kritik, da Primark einen Großteil seiner Waren in sogenannten sweat-shops in Indien und Bangladesch anfertigen lässt –Fabrikhallen, in denen die Arbeiter unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen zu Niedriglöhnen arbeiten. Vor diesem Hintergrund wird von vielen auch der Beitritt von Primark zur Ethical Trading Initiative (ETI) als reine Augenwischerei gewertet. Die Mitgliedschaft bei der ETI sagt weder etwas über die Qualität noch über die tatsächliche Umsetzung der ethischen Unternehmenspolitik aus.

Quelle: Artikel bei Interactive Investor (nicht mehr verfügbar)

Dieser Beitrag wurde unter Internationales, sonstiges, Wirtschaft abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.