Portugal

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in Zahlen

  • Gesamtbevölkerung: 10.781.459 Einwohner (Stand: Juli 2012)1)
  • 0-14 Jahre: 16,2%1)
  • nach Schätzungen von Nichtregierungsorganisationen arbeiten bis zu 50.000 Kinder in Portugal2)

Tätigkeiten / Produkte

Allgemeine Rahmenbedingungen

Fallbeispiel

Sonia und Sandra sind beide 11 Jahre alt und stellen in einer Textil-Fabrik in San Joao de Ver Abendkleider her. Die Fabrik befindet sich im Keller eines Hauses, und von den 5 Arbeiterinnen ist die älteste 25 Jahre alt. Sonia hat nach zwei Jahren die Schule verlassen, Sandra ging 5 Jahre lang zur Schule. Jedes der Mädchen arbeitet neuneinhalb Stunden pro Tag und verdient etwa 40 Euro im Monat.4)

  • Arbeitslosenquote: 17% (Stand: letztes Quartal 2012)5)
  • Portugals Mitgliedschaft in der Europäischen Union hat zu einem stabilen Wirtschaftswachstum geführt6)

Schulbildung

  • der Besuch einer Schule ist für Kinder bis zum Alter von 15 Jahren verpflichtend
  • 99% der Jungen und Mädchen werden eingeschult
  • 78% der Jungen und 87% der Mädchen besuchen eine weiterführende Schule7)
  • die Rate der Kinder, die die Schule abbrechen ist jedoch recht hoch für ein Industrieland

Ursachen für Kinderarbeit

  • Tradition
  • die Schulen versäumen es oft, Kinder und Eltern davon zu überzeugen, dass Schulbildung sinnvoll ist, so dass sie teilweise mit verantwortlich für Kinderarbeit sind4)
  • Die momentane sehr schlechte Wirtschaftslage birgt für Kinder ein erhöhtes Risiko in Kinderarbeit zu rutschen8)

Gesetzliche Rahmenbedingungen

  • ILO Konvention Nr. 1059) : ratifiziert am 23.11.1959
  • ILO Konvention Nr. 13810) : ratifiziert am 20.5.1998, Ausnahmeregel: Mindestalter 16 Jahre
  • ILO Konvention Nr. 18211) : ratifiziert am 15.6.2000
  • UN-Kinderrechtskonvention12) : ratifiziert am 21.9.1990
  • UN Zusatzprotokoll bewaffnete Konflikte13) : ratifiziert am 19.9.2003
  • UN Zusatzprotokoll Kinderhandel14) : ratifiziert am 16.6.2003
  • per nationalem Gesetz ist das Mindest- Arbeitsalter auf 16 Jahre festgelegt15)

Bisherige Lösungsansätze

  • es wurden mehrere Bewusstseinskampagnen zum Thema Kinderarbeit durchgeführt
  • Portugal hat vor mehreren Jahren einen Plan zur Beseitigung der Kinderarbeit (Plano de Eliminação da Exploração do Trabalho Infantil, PEETI) verabschiedet3)
  • seit 2009 schrumpft die Wirtschaft in Portugal. Es ist davon auszugehen dass der Staat weniger Mittel aufwenden kann um gegen Kinderarbeit effektiv vorzugehen. Des Weiteren spart Portugal seine Ausgaben zusammen.

Bisherige Erfolge

  • eine Untersuchung im Jahr 2001 zeigte einen leichten Rückgang der Kinderarbeit4)
  • Durch die momentane Rezession befürchtet man einen Anstieg der Kinderarbeit8)
  1. CIA The World Factbook [] []
  2. planet wissen, 07.08.2012: Kinderarbeit in Europa – aufgerufen am 19.05.2014 []
  3. EIRO/ ILO Survey – aufgerufen am 19.05.2014 [] []
  4. Eurofound [] [] []
  5. Arbeitslosigkeit in Portugal erreicht Rekordwert []
  6. US Department of State []
  7. UNICEF Statistiken []
  8. Council of Europe: Crisis could lead to child labour increase [] []
  9. Abschaffung der Zwangsarbeit []
  10. Mindestalter 15 Jahre für die Zulassung zur Beschäftigung []
  11. Verbot und Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit []
  12. Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte der Kinder []
  13. Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zum Schutz der Kinder in bewaffneten Konflikten []
  14. Zusatzprotokoll zum Schutz vor Kinderhandel, -prostitution und -pornographie []
  15. US Department of State []

3 Antworten auf Portugal

  1. Tanja Schulp sagt:

    Hallo,

    sehr interessantes Thema und sicherlich nicht einfach zu lösen. Ich bin vor 5 Jahren mit meinen Töchtern 13Jahre und 17Jahre, nach Portugal ausgewandert. Sie konnte kein Wort Portugiesisch und sind sofort in eine Portugiesische Schule gegangen. Ich kann den Einsatz der Lehrer, sowie das Bemühen den Kontakt und die Zusammenarbeit mit den Eltern nur Loben. Bis heute ist keins meiner Kinder sitzen geblieben und beide haben bessere Noten in Portugiesisch wie die Einheimischen Kindern. Ich bin gelernte und staatlich geprüfte Erzieherin und betrachte die traditionale Erziehung seit wir hier sind genau. Die Schuld, wenn man von Schuld sprechen kann, liegt wenn überhaupt bei den Eltern, die ihren Kindern keine Selbstverantwortung und kein Zukunftsdenken beibringen. Wenig Freizeitangebote, wenig abweichen von der traditionellen Lebensart tut ihr übriges. Aufklärung seitens der Lehrer schlägt fehl, da das Interesse der Eltern fehlt. Vorbild und Nachahmung findet hier nur auf dem Feld bei dem Pflanzen oder Ernten statt. Fördermassnahmen sowohl auf erzieherischer wie auch auf körperliche Ebene kommen zu kurz.
    Gerne würde ich mich hier mehr Einsetzen für die Kinder und die Jugendlichen.

    LG Tanja

  2. heide sagt:

    Also die Arbeitslosenquote in PT liegt bei aktuell ca. 16% (in Spanien sogar 25%)…dann bei Ursachen der Kinderarbeit „Tradition“ und Versäumnisse der Schulen aufzuführen geht an der Realität vorbei und gibt die Schuld den Individuuen. Die primäre Ursache in Portugal ist aber strukturell und war lange politisch gewollt (Salazar): die Armut; ein Besuch vor Ort wird empfohlen. Ein Großteil der Bevölkerung lebte und lebt von der Hand in den Mund, da ist Kinderarbeit oft unverzichtbar da es gerade so zum Überleben reicht. Wichtig wäre es die Gründe dafür anzugehen…und besser zu recherchieren.
    und heute ist 2012 nicht 2001…

    • nikoletta / EarthLink sagt:

      Hallo,
      vielen Dank für die Anmerkungen zur aktuellen Arbeitslosenquote. Zur Finanzkrise in Portugal auch ein aktuellerer Blog auf unserer Seite, der Ihnen vielleicht entgangen ist: http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/2012/07/finanzkrise-kinderarbeit-in-portugal/
      Wir sind eine gemeinnützige Organisation, die sich weitestgehend durch ehrenamtliche Mitarbeitende trägt, welche entwicklungspolitische Bildungsarbeit auf sehr breiter Ebene leisten und dabei so gut wie möglich Daten und Fakten der tausende Seiten umfassenden Kampagnenwebsites aktualisieren. Ihr Anspruch, für jede dieser Seiten stets aktuellste Informationen bereitzustellen, ist ein unmögliches und unrealistisches Unterfangen, deshalb sind wir auch grundsätzlich dankbar für positive Anregungen und konstruktive Kritik unserer Leser.
      Leider ist es uns aus zeitlichen sowie fianziellen Gründen nicht möglich, sämtliche beschriebenen Länder, in denen Kinderarbeit vorkommt, persönlich zu besuchen. Unsere Projekte werden durch Spenden und staatliche Fördermittel finanziert.
      Dass Armut und strukturelle Probleme für das Phänomen Kinderarbeit universelle Hauptursachen sind, steht außer Frage, wenn man sich mit der Thematik unserer Kampagne auseinandersetzt und muss nicht für jedes Land extra nochmal erwähnt werden. Auf den einzelnen Länderseiten kommen deshalb weitere länderspezifische Ursachen hinzu: Z.B., dass Kinderarbeit in Portugal, wie auch in weiteren Ländern, trotz nationaler Gesetzgebung zum Schutze der Kinder weiterhin präsent ist und gesellschaftlich toleriert und dabei häufig auch individuell (!) nicht in Frage gestellt wird.
      Sämtliche Daten belegen wir mit seriösen Quellen. Den Vorwurf, wir würden schlecht recherchieren, weisen wir deshalb zurück – auch angesichts des immensen Umfangs der kostenlos bereitgestellten Informationen.
      Die Quellen – auch auf der Portugalseite – sind weitgehend aktuell, demografische Angaben werden mindestens jährlich von uns aktualisiert. Die von Ihnen herausgepickte Quelle aus dem Jahr 2001 bezieht sich auf eine spezifische Untersuchung zum Wandel bezüglich ausbeuterischer Kinderarbeit in Portugal, basierend auf einer Untersuchung der ILO. Soweit wir wissen, gab es bisher keine Nachfolgeuntersuchungen der ILO bezüglich Kinderarbeit in Portugal. Sollten Sie dennoch aktuellere Informationen dazu haben, teilen Sie uns diese unter Angabe der Quelle bitte mit.

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