Kinderarbeit in der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaïre)

in Zahlen

  • Gesamtbevölkerung: 68.692.542 (Stand 2009) 1)
  • 0-14 Jahre: 46,9% 2)
  • Gesamtzahl der Kinderarbeiter (5–14 Jahre): 32%
  • nach Geschlecht: M: 29% ; W: 34% 3)

Tätigkeiten / Produkte

Fallbeispiel:

Was hätte ich sonst tun können?

Noch immer träumt der 15-jährige Safari jede Nacht von dem Abend, als seine Einheit von gegnerischen Hutu-Milizen überfallen wurde. Als der Krieg ausbrach, wurde sein Vater von Tutsi-Rebellen getötet. Safari floh mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in ein Flüchtlingscamp. Doch auch das Lager wurde ständig von Rebellen angegriffen. „Ich wollte gerade die restlichen Waren aus unserem Laden verkaufen, da kamen fünf bewaffnete Kämpfer. Sie schlugen mich und nahmen mir alles weg.“, berichtet Safari, der damals zehn Jahre alt war. Er hatte gehört, dass bei den Rebellen auch andere Kinder waren. So schloss auch er sich den Truppen an. „Was hätte ich auch sonst tun können?“ Doch schon bald merkte er, dass es ein Fehler war, Soldat zu werden. „Es war so grausam. So viele meiner Freunde sind gestorben. Immer wieder wurden wir nachts angegriffen. Meistens hatten wir nichts zu essen. Dann haben wir Dörfer überfallen und geplündert“, erzählt er. Nach Eintreffen der UN-Truppen war Safari einer der ersten seiner Einheit, die medizinisch und psychologisch betreut wurden. Er möchte später gern einen „richtigen“ Laden aufmachen und jede Menge Fußball spielen. „Soldat sein, das möchte ich auf keinen Fall wieder.“ 5)

Allgemeine Rahmenbedingungen

  • der jahrelange Bürgerkrieg hat das Land in einer extrem schlechten wirtschaftlichen Situation zurückgelassen
  • Gewalt ist in einigen Teilen des Landes immer noch an der Tagesordnung
  • weitverbreitete Armut, schlechter Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Grundversorgung

Schulbildung

  • Alphabetisierungsrate (gesamt): 65,5%
  • nach Geschlecht: M: 76,2% ; W: 55,1%
  • Mehr als 4,4 Millionen Kinder (etwa die Hälfte der Kinder im schulfähigen Alter) besuchen keine Schule. 6) 7)

Ursachen für Kinderarbeit

  • In Folge von AIDS steigt die Zahl der von Kindern geführten Haushalte
  • Arbeitslosigkeit, Armut, zunehmende Urbanisierung und die Folgen des Bürgerkrieges erhöhen die Zahl der Kinder, die auf eine eigenes Einkommen angewiesen sind
  • Viele Eltern können zudem die Schulgebühren nicht bezahlen, was zum vermehrten Austritt der Kinder aus der Schule führt. Vermehrt treten zudem Fälle auf, in denen Eltern ihre Kinder verstoßen, weil diese der Hexerei bezichtigt werden
  • UNICEF geht von über 4 Millionen Waisenkindern im Kongo aus8)9)

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Bisherige Lösungsansätze

  • Einführung eines National Council for Children zur Durchführung von Programmen für ehemalige Kindersoldatem, Waisenkindern und Opfer sexuellen Missbrauchs
  • Seit 2004 existiert ein Programm zur Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration von 150 000 Soldaten darunter etwa 30 000 Kinder und Jugendliche. Kritisiert wird jedoch, dass viele Kinder vor allem Mädchen bisher nicht in das Programm aufgenommen wurden. Zudem wurden die Demobilisierungsmaßnahmen im Jahr 2006 aus finanziellen Gründen teilweise eingestellt. Zudem besteht laut Amnesty International die Gefahr einer erneuten Rekrutierung 17)

Bisherige Erfolge

UNICEF hat durch Verhandlungen mit Milizen im Kongo Kindersoldaten befreit und Rehabilitationsmaßnahmen für diese eingeleitet. In Transitlagern werden die ehemaligen Kindersoldaten psychologisch betreut und erhalten eine schulische und berufliche Ausbildung. 18)