Wo wird mit Kinderarbeit produziert?
Aus Indien stammen rund 90 Prozent aller Teppichexporte. Laut Schätzungen arbeiten dort rund 350.000 Kinder unter 14 Jahren. In Nepal waren Anfang der neunziger Jahre nach Schätzung einer Kinderrechtsorganisation 150.000 Kinder beschäftigt. In Pakistan schätzte eine 1992 von Unicef und der pakistanischen Regierung erstellte Studie die Zahl der in der Teppichindustrie arbeitenden Kinder auf rund 900.000. 1)
Fallbeispiel:
Kamala Lama: die Geschichte einer ehemaligen Kinderarbeiterin
Am 25.Dezember 1997 wurde die damals neun Jahre alte Kamala Lama durch RUGMARK aus einer Teppichfabrik in Nepal befreit. Bereits mit sechs Jahren hatte sie zum Unterhalt ihrer Familie beitragen müssen. Ab fünf Uhr morgens knüpfte sie Teppiche – oft bis 20 Uhr abends. Ihre Hände waren von der Wolle eingeschnitten und heilten nicht mehr. Eine medizinische Versorgung gab es nicht in der Fabrik. Kamala wusste nicht einmal, was sie für ihre Arbeit an Lohn bekam, denn der wurde ihrer Mutter ausgehändigt. Einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte Kamala in einer Arbeitswelt, die selbst für Erwachsene kaum erträglich ist.
Unicef
Welche Arbeiten werden von den Kindern ausgeführt?
In der Teppichherstellung gibt es verschiedenste Arten von Kinderarbeit: Die Kinder arbeiten im Familienverband an den Knüpfstühlen im eigenen Haus. Oder sie arbeiten an den Knüpfstühlen bei Nachbarn. In sehr armen Gegenden werden Kinder von Kinderhändlern eingekauft und in Teppichfabriken gebracht. Dort arbeiten sie in der Schuldknechtschaft und werden meist für immer von ihren Familien getrennt. 2)
Welche Gefahren und Folgen ergeben sich für die Kinder?
Die Arbeit in der Teppichindustrie hat schwere Auswirkungen auf die Gesundheit. Die hohe Konzentration der Wollfasern verursacht bleibende Schäden der Atemwege. Durch schlechte Beleuchtung wird das Sehvermögen gemindert und die schweren Werkzeuge und die körperlichen Anstrengungen führen zu Gelenk- und Bandscheibenschäden.
Der Arbeitstag der Kinder ist lang, manchmal sogar 14 oder mehr Stunden. Daher ist ein Schulbesuch unmöglich.3)
Wie können wir gegen Kinderarbeit aktiv werden?
Das Rugmark-Siegel steht seit Mitte der 90er Jahre für Teppiche ohne Kinderarbeit. Durch diese gemeinsame Initiative des Teppichhandels und einiger Hilfswerke sind bis heute über 2.000 Kinder aus der Schuldknechtschaft befreit worden und haben eine Schul- und Berufsausbildung absolviert.