Wo werden Kinder sexuell ausgebeutet?
Kinderprostitution ist ein Milliardengeschäft. Weltweit werden nach Schätzungen von NGO's jedes Jahr mindestens eine Million Mädchen und viele Jungen in die Prostitution gelockt oder gezwungen. Obwohl in den 90er Jahren das Bewusstsein über die sexuelle Ausbeutung von Kindern geweckt wurde, nehmen Kinderprostitution, Kinderhandel und Kinderpornographie immer mehr zu. Ausgebeutet werden vor allem Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren, aber auch Jungen und jüngere Kinder.
Das Land mit dem größten Anteil an Kinderprostitution, ca.33 Prozent, ist Thailand. Die Zahl der minderjährigen Kinder im Sexhandel wird dort auf 100.000 bis 800.000 geschätzt. Weitere Länder mit einem sehr hohen Anteil an Kinderprostitution sind Brasilien mit 21 Prozent und Indien mit 17 Prozent, aber auch die Philippinen, Sri Lanka, Vietnam, Kenia, Costa Rica und die Dominikanische Republik sind verhältnismäßig stark betroffen1)
In Afrika sind Ägypten, Angola, Äthiopien, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Dschibuti, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea Bissau, Kamerun, Kap Verde, Kenia, Kongo (ehemals Zaire), Kongo Republik, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mali, Marokko, Mauritius, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Sambia, Senegal, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tansania,Togo und Uganda betroffen.
In Asien sind betroffen Bangladesh,Hong Kong, Indien, Indonesien, Japan, Kambodscha, Kasachstan, Korea Süd, Laos, Libanon, Malaysia, Mongolei, Myanmar (Burma), Nepal, Philippinen, Singapur, Sri Lanka, Tadschikistan, Taiwan, Thailand, Usbekistan und Vietnam.
In Australien- Ozeanien sind in den folgenden Ländern Fälle von Kinderprostitution bekannt: Fidschi, Kiribati, Osttimor, Papua-Neuguinea, Salomonen, Tonga.
In Europa sind betroffen Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Grossbritannien, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Moldawien, Niederlande, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Montenegro, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ukraine und Weißrussland.
In Mittelamerika sind betroffen Antigua und Barbuda, Aruba, Barbados, Belize, Costa Rica, Dominica, Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Jamaika, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Saint Lucia, Saint Vincent und die Grenadinen, Trinidad und Tobago.
In Südamerika sind Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Venezuela, Uruguay betroffen.
In Nordamerika ist Texas/ San Antonio betroffen
Fallbeispiel:
Justiz und Reiseveranstalter gegen Kindersex-Touristen
Nach einer Studie der Freien Universität Berlin reisen jedes Jahr etwa 400.000 Deutsche als Sex-Touristen ins Ausland. Niemand weiß, wie viele davon Kinder missbrauchen. Die Schätzungen schwanken zwischen einem und fünf Prozent. Bis 1993 wurde der Missbrauch von ausländischen Kindern durch deutsche Touristen nur dann verfolgt, wenn die Tat auch am Tatort mit Strafe bedroht war (Tatortprinzip). Seit 1993 können deutsche Touristen für ein Verbechen in einem Reiseland hier vor Gericht gestellt werden. Bislang sind aber nur ein paar Dutzend Strafverfahren deswegen eröffnet worden, nur in wenigen Fällen konnte der Täter verurteilt worden.
Um Sex-Touristen vom Kindesmissbrauch im Ausland abzuhalten, haben führende Reiseveranstalter einen Verhaltenskodex vereinbart, der auch die Beschäftigten in der Branche in die Pflicht nimmt, sich aktiv an der Bekämpfung von Kinderprostitution zu beteiligen. Fluglinien wie die LTU, Lufthansa, Air Europa, Olympic, Airways, Sabena und Al Italia zeigen beispielsweise ein Video gegen Kindersex-Tourismus auf all ihren Flügen. http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkte/prostitution#dokuwiki__top.\\Projektmappe Kinderarbeit
Worin liegen die Ursachen für Kinderprostitution?
Kinderprostituierte werden von Zuhältern in Bars, Bordellen, „Massagesalons“ und sogar Restaurants angeboten. Der Massentourismus hat dazu geführt, dass immer mehr Kinder auch von Reisenden sexuell missbraucht werden. Dabei geht der Trend zu immer jüngeren Kindern. Touristen machen aber nur einen Bruchteil der Kunden aus, die Kinder in Asien oder Lateinamerika sexuell missbrauchen, die meisten Täter sind Einheimische.
Armut und extreme soziale Gegensätze sind die Hauptgründe, die sexuelle Ausbeutung von Kindern erst möglich machen. Viele Familien glauben den Versprechungen der Kinderhändler, ihre Tochter oder ihr Sohn werde in der Stadt eine gut bezahlte Arbeit bekommen oder könne eine Ausbildung machen. Oder die Eltern bekommen direkt bares Geld, das die Kinder später dann als Schuld abarbeiten müssen. Durch Unwissenheit lässt sich die ländliche Bevölkerung in armen Ländern von Kinderhändlern täuschen.
Wo Frauen und Mädchen diskriminiert werden und wenig gelten, ist der Schritt zu ihrer sexuellen Ausbeutung nicht weit. In China und anderen Ländern Asiens sind Töchter den Eltern häufig weniger wert als Söhne. Die Ansicht, dass ein Mädchen ruhig etwas zum Unterhalt der Familie beitragen könne – egal wie – ist weit verbreitet.
Kinderfeindliche Traditionen oder Bräuche fördern die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Kriege und bewaffnete Konflikte ziehen meist einen Anstieg der kommerziellen sexuellen Ausbeutung von Kindern nach sich. Flüchtlinge werden leichter zu Opfern, wenn sie auf den Schutz einer Kriegspartei angewiesen sind. Viele Frauen und Kinder müssen sich prostituieren, um ihr Überleben zu sichern. Es kommt vor, dass Milizen Mädchen entführen und sie als Sklavinnen halten.
Die Nachfrage nach Kinderprostituierten steigt, weil viele Kunden offenbar glauben, diese seien seltener mit dem HIV infiziert. Dabei stecken sich gerade Kinder leichter an, denn sie sind anfälliger für Verletzungen und können kaum den Gebrauch eines Kondoms durchsetzen. Befragungen in Asien zeigten, dass dort etwa die Hälfte der minderjährigen Prostituierten HIV-positiv ist.2)
Welche Gefahren und Folgen ergeben sich für die Kinder?
Die sexuelle Ausbeutung von Kindern verursacht ernste, lebenslängliche Verletzungen, die sich auf die körperliche, psychische, geistige, moralische und soziale Entwicklung auswirken. Kinder sind anfälliger für Geschlechtskrankheiten als Erwachsene. Viele Kinder fühlen sich schuldig und sind überzeugt, minderwertig und wertlos zu sein. Manche flüchten sich in eine Scheinwelt und behaupten, die Prostitution selbst gewählt zu haben. Alpträume, Hoffnungslosigkeit und Depressionen sind Folgen dieser Ausbeutung.
Lokale Kinderrechtsorganisationen in den großen Metropolen berichten immer wieder, dass Kinder in Bordellen gefoltert werden. Sie werden eingesperrt, angekettet, geschlagen, vergewaltigt, mit Zigaretten verbrannt oder verstümmelt. Die Kinder leben unter erbärmlichen Umständen, sind ihren Vermittlern wehrlos ausgeliefert, bekommen oft nicht genug zu essen und keine medizinische Versorgung. Viele werden von ihren Ausbeutern drogenabhängig gemacht, damit sie gefügiger werden. Oder sie flüchten sich in Drogen, um ihr Schicksal aushalten zu können. Da Kinderprostituierte sich in der Illegalität bewegen, fürchten sie die Strafverfolgung durch die Polizei und finden keinen Weg, aus dem kriminellen Milieu auszubrechen.
Kinder leiden ein Leben lang unter den körperlichen und seelischen Folgen, denn der Verlust von Würde und Selbstwertgefühl ist nur schwer zu überwinden. Viele Kinder überleben sexuellen Missbrauch und Ausbeutung nicht. Sie sterben an den ihnen zugefügten Verletzungen, an Aids, durch Drogen oder Suizid.3) 4)
ECPAT Deutschland e. V. Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung
Artikel im Tagesspiegel