Schiffsabwrackung

Schiffswrack

Bild: © Wayne [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Fallbeispiel
Ibrahim
Ibrahim ist zu müde, um heute zum Abwrackplatz zu gehen. Der Junge nimmt uns mit zu sich nach Hause, einem Raum aus Wellblech, das von mehreren Familien geteilt wird. Sein Vater ist nicht da, er ist beschäftigt in seiner kleinen Teebude in der Nachbarschaft. Seine Mutter ist mit ihren zwei Töchtern zu Hause. „Wir kamen vor 20 Jahren aus Comilla“, erklärt sie, „Es sollte vorübergehend sein, aber schließlich blieben wir. Wir sind zu arm. Ibrahim wurde hier geboren.“ Ibrahim besuchte die Schule, bis es für seine Eltern zu teuer wurde. Er war noch keine 12 Jahre alt. „Ich ging zuerst zu einer Textilfabrik, aber sie lehnten mich ab mit der Begründung, ich sei zu jung. Ich hätte in einem Teeladen arbeiten können, aber das wurde nicht ausreichend bezahlt. So waren die Abwrackhöfe die einzige Alternative.“ Anfang 2008 fing Ibrahim als Schneidehelfer an. „Ich arbeite am Ufer. Ich muss die Eisenplatten, die geschnitten werden sollen, von Rost reinigen. Ich halte auch den Schirm, um meinem Schneider Schatten zu spenden. Um acht Uhr in der Früh fange ich an und arbeite elf Stunden. Ich verlasse den Hof um acht Uhr am Abend. Ich kann nicht länger als 20 Tage im Monat arbeiten, weil ich mich zu schwach und krank fühle. Sehr oft ist mir schwindelig und ich fühle mich einer Ohnmacht nahe. Wenn ich Rauch einatme, verliere ich meinen Appetit. Ich fühle mich, als hätte ich Gas in meinem Körper.“ Bei 20 Arbeitstagen im Monat verdient Ibrahim 1.500 Takas, die er seiner Mutter gibt. „Wenn ich mich schwindelig fühle, kann ich nicht gut arbeiten und der Vorarbeiter beschimpft mich. Ich fühle mich sehr schlecht deswegen. Es kümmert ihn nicht, dass ich ein Kind bin und weil ich nicht so schnell wie die anderen arbeite, werde ich häufiger ausgeschimpft. Ich bin noch jung und bekomme kein Training. An meinem ersten Tag sagte mir mein Schneider schnell, was zu tun sei, nicht mehr. Ich bekomme keine Anweisungen, um richtig zu arbeiten und mich zu schützen. Ich bekomme keine Ausrüstung. Ich versuche immer, meine Arbeit so schnell wie möglich zu beenden, um ein wenig auszuruhen. Die einzig gute Zeit auf dem Hof ist, wenn ich mich hinsetzen kann.1)

Betroffene Länder

Wo wird mittels Kinderarbeit produziert?

Die weltweite Schiffsabwrackungsindustrie ist überwiegend in Bangladesh, Indien und Pakistan konzentriert. Diese Länder kaufen die Schiffe auf und lassen diese unter ausbeuterischen Bedingungen von Arbeitern (u.a. Kindern) auf so genannten Schiffsfriedhöfen oder Abwrackstränden in Einzelteile zerlegen. Auf diese Weise gewinnen die Betreiber einen nicht unerheblichen Teil an Stahl, den sie ansonsten zu höheren Preisen einkaufen müssten. Es wird geschätzt, dass Indien 15% und Bangladesh sogar 30% seiner Jahresproduktion an Stahl aus dem profitablen Geschäft der Abwrackung von Schiffen bezieht. Die bekanntesten Orte, an denen Schiffsabwrackung betrieben wird, liegen in Chittagong (Bangladesh) und Alang (Indien).
Genaue Statistiken über die Anzahl der Kinder, die an den Abwrackstränden arbeiten, sind aufgrund der begrenzten Zugansmöglichkeiten von NGO’s zu den Firmengrundstücken nicht verfügbar.
In einem kürzlich erschienenen Bericht wird der Anteil der Kinderarbeiter an Abwrackstränden in Bangladesh auf ca. 25% geschätzt.

Tätigkeiten

Welche Arbeiten werden von den Kindern ausgeführt?

  • Kinder arbeiten als Helfer für die so genannten „Cutter“. Sie säubern große Eisen- und Stahlteile, die dann von „Cuttern“ zertrennt werden.
  • Kinder säubern das gesamte Schiff vom Schlamm mit dem es beschmutzt wird, wenn es mit hoher Geschwindigkeit auf den Strand auffährt.
  • Kinder arbeiten in Gruppen, die mit Hilfe von Ketten und Fesseln versuchen, große Teile der Schiffe von einem Ort zum anderen zu bewegen.
  • Kinder laden den in Einzelteile zerlegten Stahl auf die zum Abtransport bereitstehenden LKW’s.

Konsequenzen

Welche Gefahren und Folgen ergeben sich aus diesen Tätigkeiten für die Kinder?

  • Es besteht die Gefahr, mit giftigen Gasen in Berührung zu kommen und diese einzuatmen. Dadurch kann es zu Haut- und/oder Atemwegserkrangungen kommen.
  • Die Schutzkleidung ist nicht ausreichend. Zumeist laufen die Kinder barfuß im Schlamm und können sich durch Tritte auf kleine, unsichtbare Stahlteilchen verletzen. Auch Helme, Handschuhe und Schutzanzüge sind kaum vorhanden.
  • Regelmäßig werden Arbeiter auf dem Schiff durch Vergiftungen, Explosionen oder herabstürzende große Stahlteile ernsthaft verletzt oder sogar getötet.
  • Die Kinder verrichten die Arbeiten, ohne darin ausgebildet worden zu sein. Dies erhöht das Verletzungsrisiko um ein Vielfaches.

Quellen + Links

Report on child labour in the ship recycling industry of Bangladesh
Wikipedia
NGO Platform On Shipbreaking

  1. Bericht über die Schiffsabwrackung in Bangladesh []

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