Natursteine

Kind bearbeitet Grabstein

Bild: © ILO in Asia and the Pacific [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Betroffene Länder

Wo wird mit Kinderarbeit produziert?

Zwei Drittel aller Grabsteine in Deutschland kommen aus Indien, von dort aus gelangen sie über den Seeweg nach Europa. Deutschland bezieht knapp 50.000 Tonnen Naturstein pro Jahr aus Indien.1) 150.000 Kinder arbeiten in diesen Steinbrüchen.2) Dies entspricht 15 Prozent aller Beschäftigen der Branche.3)

Fallbeispiel
Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen
Die Sonne brennt vom Himmel, es ist heiß, mehr als 40 Grad im Schatten. Drei Jungen umklammern einen rund 45 Kilo schweren Presslufthammer, der ihren Körper vibrieren lässt. Ohne Mund- und Ohrenschutz bearbeiten sie Steinwände. Ihre Gesichter haben sich weiß gefärbt vom Staub, der ihre Lunge ruiniert. Andere Kinder bringen im Stein Sprengpulver an, verdichten es mit einem Eisenstab. Eine höchst gefährliche Tätigkeit, denn wenn Funken fliegen, kann auch schon mal die halbe Hand weggesprengt werden.4)

Tätigkeiten

Welche Arbeiten werden von Kindern ausgeführt?

Die Kinder arbeiten in den Steinbrüchen. Dort müssen sie, zusammen mit anderen Kindern, etwa 45 Kilo schwere Presslufthammer festhalten und Löcher ins Gestein bohren – ohne Mundschutz. Sie hantieren auch mit gefährlichen Sprengstoffen, um riesige Granitblöcke aus dem Stein zu sprengen.5)

Konsequenzen

Welche Gefahren und Folgen ergeben sich für die Kinder?

Weil die Kinder ohne Mundschutz arbeiten, leiden sie häufig unter chronischen Lungenerkrankungen, die der Staub verursacht. Verletzungsgefahr droht auch durch Abstürze, Steinschlag, splitternde Steine, den ungeschützten Einsatz von Schlagwerkzeugen und Unfälle bei den Sprengungen. Auch das Gehör der Kinder wird von dem ohrenbetäubenden Lärm in Mitleidenschaft gezogen. Wegen dieser Zustände liegt die Lebenserwartung der Betroffenen nur zwischen 35 und 38 Jahren.5)
Eigentlich ist Arbeit in Steinbrüchen nach indischem Gesetz für Kinder unter 16 Jahren verboten. Trotzdem werden Kinder illegal beschäftigt. Oft gerät die ganze Familie in Schuldknechtschaft.
Einige Städte und Gemeinden wollten in ihren Friedhofsatzungen regeln, dass Grabsteine aus Kinderarbeit nicht aufgestellt werden dürfen:
Es dürfen nur Grabmale aufgestellt werden, die nachweislich in der gesamten Wertschöpfungskette ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der ILO-Konvention 182 hergestellt sind.
Diese Regelung wurde inzwischen von Oberlandesgerichten für ungültig erklärt, da Kommunen für eine solche Regelung keine Kompetenz besäßen. Es gibt inzwischen auf Landes- und Bundesebene Bemühungen dies zu ändern. Bis dahin kann eine Änderung der kommunalen Friedhofsatzungen nicht empfohlen werden. Kirchliche Friedhofsatzungen sind hiervon nicht betroffen.

Verbraucher-Tipps

Wie können wir gegen Kinderarbeit aktiv werden?

Natursteine kaufen, die zertifiziert sind, z.B. durch Xertifix.
Ausführliche Informationen zum Thema sozialverantwortliche Beschaffung im Baugewerbe finden Sie hier: RESPIRO Leitfaden Baugewerbe. Dieser Leitfaden wird herausgegeben von ICLEI.
Folgende Broschüre fasst die bisher vorliegenden Ansätze für den Aufbau von Verhaltenskodizes in der deutschen Natursteinbranche zusammen und listet Kontaktadressen auf: „Verhaltenskodizes in der Natursteinbranche Vorschläge für eine Umsetzung“6)
Vorsicht mit anderen „Zertifikaten“! Es sind als Zertifikate bezeichnete Dokumente im Umlauf, die versichern sollen, dass Natursteine nicht aus Kinderarbeit stammen. Diese sind – ausgestellt z.B. von einer Handelsfirma – aber nicht aussagekräftig, insbesondere wenn weder das Produkt noch der Aussteller des Dokuments genauer bezeichnet wird oder auch das Ausstellungsdatum und die Unterschrift fehlen.

ACHTUNG!
Nach aktuellen Gerichtsurteilen von Oberverwaltungsgerichten in Koblenz und München, haben Kommunen nicht die Kompetenz in ihren Friedhofsatzungen das Aufstellen von Grabsteinen aus Kinderarbeit zu verbieten.
Verschiedene Kommunen verstärken seit dem ihre Öffentlichkeitsarbeit, um Steinmetze und betroffene Bürger zu informieren und auf diesem Weg das Ziel zu verfolgen, keine Grabsteine aus Kinderarbeit auf ihren Friedhöfen zu haben. Die Stadt Saarbrücken hat im März 2011 im Stadtrat einstimmig für ein Verbot von Grabsteinen aus Kinderarbeit gestimmt. Friedhofsträger im Saarland können sich nun entscheiden, ob sie nur faire Grabsteine zulassen wollen oder nicht.7)

Quellen + Links

„Bescheinigungen, Siegel und Zertifizierungen in der
Natursteinbranche – Ein Vergleich“ Vergleichsstudie von Südwind im Auftrag von MISEREOR
Social Times News: Fairer Einkauf von Natursteinen
Studie zur Kinderarbeit (Prof. Dr. Michael von Hauff, 2008)

  1. Bericht der taz []
  2. Website von Xertifix e.V. []
  3. Studie der Stiftung Deutsche Welthungerhilfe []
  4. Osnabrücker Zeitung []
  5. Website von Xertifix e.V. [] []
  6. SÜDWIND []
  7. Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland e.V. – Link zum Artikel nicht mehr abrufbar am 14.03.2014 []

5 Kommentare zu Natursteine

  1. Interessanter Artikel, würde den gerne bei mir mitaufnehmen

  2. Pingback: Grabsteine aus Kinderhand: nein danke! ← MeinStein

  3. Pingback: IG Bau fordert faire Steine | Aktiv gegen Kinderarbeit

  4. Pingback: Ende von Grabsteinen aus Kinderhand in Sicht? | Aktiv gegen Kinderarbeit

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