Straßenkinder

Indian street kids

Bild: © Ben Sutherland [CC BY 2.0] - flickr

Betroffene Länder

Wo gibt es Straßenkinder?

Fast überall auf der Welt. Die Zahl der Straßenkinder im Alter von 6 bis 16 Jahren wird weltweit auf 80 – 100 Millionen geschätzt.

  • Europa: In Europa steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die auf der Straße leben, dramatisch an. In Deutschland sind es mehr als 7.000.
Fallbeispiel
Straßenkinder in Russland
Das Leben von Wanja Mitkin steht exemplarisch für eine russische Kindheit in einer zerfallenden Gesellschaft: geboren in einem Dorf bei Moskau, die Ehe der Eltern zerrüttet, Umzug in die Hauptstadt. Der Vater findet eine neue Frau. Die Mutter verkauft die Stadtwohnung, vertrinkt das Geld, zieht mit dem Sohn über die Bahnhöfe, verliert ihn irgendwann aus den Augen. „Mich sucht keiner“, sagt Wanja.
Tagsüber brachen er und seine Freunde zu Raubzügen in irgendeine der über 200 Moskauer Spielhallen auf: Die Älteren bestahlen unachtsame Zocker an den Automaten, Wanja stand Schmiere.
Heute sind die struppigen Stiefkinder der postkommunistischen Gesellschaft überall zu sehen: In Abbruchhäusern, muffigen Heizungskellern, unterirdischen Kanälen oder auf luftigen Dachböden, wo sie ihre Schlafplätze finden. Vor allem aber auf den Straßen, wo sie betteln, die Windschutzscheiben der Autos waschen, Zeitungen und Snickers verkaufen, Lastwagen entladen und Kioske bewachen.
Als einzige Alternative zur Kriminalität bleibt für viele Kinder die Bettelei – und auch sie ist längst ein Geschäft von Profis. Der siebenjährige Bobik und seine drei Geschwister nehmen sich die Fahrgäste der Metro vor. „Brot, Brot“, murmeln sie und rutschen auf Knien durch die Waggons, bekreuzigen sich und küssen den Passagieren die Füße – eine Schmierenkopie altrussischer Bettlerszenen. Die meisten Menschen geben ihnen etwas, obwohl sie wissen, daß irgendein Erwachsener später bei den Kindern abkassiert.1)
  • Asien: Laut offiziellen Zahlen verbringen in Russland zwischen 100.000 und 150.000 Kinder und Jugendliche die meiste Zeit auf der Straße. In Indien leben und arbeiten laut Unicef und der indischen Regierung 19 Millionen Straßenkinder im Alter von unter 14 Jahren. In Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh schätzt das Consortium for Street Children 1.200 Straßenkinder, in ganz Kambodscha sollen zwischen 10.000 und 20.000 Kinder auf der Straße leben.
    In Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei leben etwa 3000 Kinder in der Kanalisation.
  •  Südamerika und Mittelamerika: Ungefähr 7 Millionen Kinder in Brasilien, 500.000 Kinder in Peru und 30.000 Kinder in Kolumbien leben und arbeiten auf der Straße. In Guatemala wird die Zahl auf 10.000 Kinder geschätzt. Auch in Argentinien gibt es relativ viele Straßenkinder.2)
  • Afrika: Insgesamt werden etwa 30 Millionen Straßenkinder auf dem Kontinent vermutet.3)
    Die Zahlen der Straßenkinder sind am höchsten im wirtschaftlich besser gestellten, aber auch bevölkerungsreicheren Südafrika. Dort leben allein in Johannesburg 4.000 Kinder auf der Straße. Für Sambia liegen die Schätzungen des UN Office on Humanitarian Affairs (IRIN) bei insgesamt 75.000 Straßenkindern, andere Schätzungen gehen von 1,5 Millionen aus. Im stärker verstädterten, erdölreichen Nigeria dagegen, wo es Mitte der 80er Jahre noch kaum Straßenkinder gegeben habe, berichtet das Consortium for Street Children, war deren Zahl Anfang der 90er laut Schätzungen bereits auf 8.000 gestiegen. Heute soll ihre Anzahl noch größer sein.4)5)
    In Ghana wurden Anfang 2009 steigende Zahlen von Straßenkindern berichtet. Alleine in Tamale Metropolis sollen es ungefähr 4.000 sein6)

Tätigkeiten

Wie (über)leben die Kinder?

Straßenkinder leben meist in kleinen altersgemischten und hierarchisch gegliederten Banden, die sich oft Machtkämpfe liefern.
Die Kinder putzen Schuhe oder verkaufen Tee, Zigaretten, Zeitungen, Lebensmittel oder Blumen. Ihre Kunden suchen sie in Bars oder Gaststätten. Man findet sie aber auch auf vielbefahrenen Straßen, wenn die Autos anhalten müssen. Häufig ist Prostitution die Haupteinnahmequelle.5)

Konsequenzen

Welche Gefahren und Folgen ergeben sich für die Kinder?

Haut-, Magen-, Darm-, Augen- und Atemwegserkrankungen sowie Kopfschmerzen und Nasenbluten sind die am häufigsten festgestellten Krankheiten bei Straßenkindern. Ursachen dafür sind die Lebensbedingungen auf der Straße:
mangelnde Hygiene, kein Schutz vor Hitze und Kälte, kein sauberes Wasser, unzureichende Ernährung, Autoabgase, unzureichende Kleidung, das fehlende Dach über dem Kopf.
Viele der Kinder und Jugendliche nehmen Drogen. Straßenkinder sind sexueller Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt, sind eine Risikogruppe für Geschlechtskrankheiten und HIV-Infektionen.
Straßenkinder leiden auch unter psychischen Problemen wie Ängsten, Phobien und Depressionen. Sie haben ein negatives Selbstbild, keine Vorbilder, Minderwertigkeitskomplexe und fühlen sich unfähig und ungeliebt.
Straßenkinder müssen aber auch Gewalt „von außen“ fürchten. Gewaltakte gegen
Straßenkinder gehen bis hin zum staatlich gebilligten Mord. In Brasilien zum Beispiel bezahlen Landbesitzer Todesschwadrone, um Straßenkinder von den Straßen verschwinden zu lassen.
Für die Kinder von der Straße gibt es kaum Zukunftsperspektiven. Sie leben von einem Tag auf den anderen.5)7)

Quellen + Links

Film: The Children of Leningradsky über Straßenkinder in Moskau
Straßenkinder in St.Petersburg
Strandgut des Fortschritts, Spiegel
Aktiv gegen Kinderarbeit

  1. Der Artikel des Spiegel ist leider nicht mehr verfügbar. []
  2. Artikel in La Republica – Link nicht mehr abrufbar []
  3. Almudo Afrika []
  4. terre des hommes: Straßenkinder []
  5. Die Gesundheit der Straßenkinder [] [] []
  6. allafica.com ( vom 3.3.2009) []
  7. Projektmappe Kinderarbeit []

2 Kommentare zu Straßenkinder

  1. stefanie sagt:

    hey;)
    Ich bin 13Jahre alt und bin richtig schockiert darüber wie viele Straßenkinder es gibt. Mich macht es wirklich traurig, dass viele Kinder ermordet werden und stehlen müssen um zu überleben. Mich rührt es zu Tränen, wenn ich solche Sachen lese, denn mir geht es ja gut und ich habe sogar mehr als ich brauche ich habe eine wunderbare Familie und die Kinder haben nichts. Man muass was dagegen machen so geht das nicht weiter.
    lg.stefanie

  2. Dan sagt:

    Super interessanter Artikel. Ich selbst beschäftige mich viel mit dem Thema Straßenkinder. Ich finde die Kampange super von euch!

    Beste Grüße

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