Kindersoldaten

Betroffene Länder

Wo werden Kinder eingesetzt?

Vietnam

Quelle: Wikimedia 2013

Etwa 250.000 bis 300.000 Kinder werden weltweit als Kindersoldaten eingesetzt. Burma ist mit rund 77.000 das Land mit der wahrscheinlich höchsten Anzahl an Kindersoldaten. In Kolumbien gibt es ca. 14.000 Kindersoldaten in bewaffneten Oppositionsgruppen und parlamentarischen Verbänden. In Angola sind trotz Nachkriegssituation immer noch 7.000 Kindersoldaten aktiv. In Uganda wurden ca. 25.000 Kinder seit Ende der 80er Jahre als Soldaten eingesetzt. Bei Initiationsriten mussten sie teilweise ihre eigenen Geschwister töten. In Indien, Afghanistan, Indonesien und auf den Philippinen gilt der Einsatz von Kindersoldaten als sehr wahrscheinlich.

Weitere Regierungsarmeen missbrauchen Minderjährige in Kampfeinsätzen, so zum Beispiel die Sudan People’s Armed Forces und mehrere bewaffnete Gruppen im großteils zerfallenen Staatsgebilde Somalias, darunter die Union of Islamic Courts (UIC) und die Alliance for the Restoration of Peace and Counter-Terrorism (ARPCT). 26 Regierungsarmeen haben Minderjährige in den eigenen Reihen, darunter auch die Bundeswehr. In 24 Ländern rekrutieren nichtstaatliche bewaffnete Gruppen wie Guerilla und Milizen Kindersoldaten. 1)

Nach dem Child Soldiers Global Report 2008 wurden im letzten Jahr außerdem in folgenden Ländern Kindersoldaten eingesetzt: Tschad, Burundi, Elfenbeinküste, Republik Kongo, Somalia, Sri Lanka, Russland und Sierra Leone.

Fallbeispiel
Htun Myint beschreibt sein Training in Myanmar (Burma)
“Morgens mussten wir lange und kurze Läufe mit unseren Rucksäcken machen. Fünf Meilen laufen, jede Woche, manchmal sogar Märsche bis zu 30 Meilen. Ich war 11 Jahre alt, also konnte ich unmöglich mithalten. Aber ich musste mein Bestes geben, ansonsten hätten sie mich ausgepeitscht… Als wir rennen mussten, konnte ich meine Waffe nicht mehr tragen. Ältere haben versucht, mir zu helfen, haben mir die Waffe abgenommen und sind mit mir gerannt.”

Ram beschreibt seine Gefangenschaft bei der nepalesischen Armee
„Sie [die Armee] haben uns zu den Baracken gebracht. Dann haben sie uns mit ihren Waffen geschlagen und mit Stiefeln getreten. Nach 15 Tagen ist mein Freund von den Schlägen gestorben. Aber mich haben sie weiter geschlagen. Einmal wurde ich bewusstlos und sie brachten mich ins Krankenhaus. Als ich wieder bei Bewusstsein war, haben sie mich zurück zu den Baracken gebracht und wieder geschlagen. Ich wäre fast gestorben. Ich weiß nicht, warum sie das getan haben.“

Ram wurde 2004 mit 14 Jahren von den Maoistem befreit. 2)

Tätigkeiten

Welche Arbeiten werden von den Kindern ausgeführt?

Viele Kinder wachsen in Kriegs- oder Krisengebieten auf. Manche werden von den bewaffneten Gruppen als Soldaten zwangsrekrutiert und entführt. Andere werden mit falschen Versprechungen und einem geringen Sold gelockt. Sobald sie bei den Gruppen sind, unterliegen Kindersoldaten dem Gesetz von Befehl und Gehorsam. Nicht selten werden Drogen und Alkohol gezielt eingesetzt, um die Kinder gefügig zu machen und sie zu schlimmen Gewalttaten anzustacheln. 3)
Auf kindliche Bedürfnisse wird keine Rücksicht genommen. Die Kinder müssen zum Beispiel andere Kinder töten, wenn diese fliehen wollen. Sie müssen schwere Lasten wie Waffen, Verwundete, Lebensmittel, Hausrat oder Zelte über weite Strecken schleppen. Kinder werden von den Vorgesetzten als “weniger wertvolle” Soldaten angesehen, deshalb werden sie gern an besonders gefährlichen Stellen der Front eingesetzt, zum Beispiel als Spione, Minenleger und Minensucher. 4)

Auch Mädchen werden rekrutiert. Sie übernehmen häusliche Aufgaben und dienen als Köchinnen, Hausmädchen oder Funkerinnen. Oftmals müssen sie Munition und Waffen tragen; manchmal werden sie auch bei Kämpfen an der Front eingesetzt. Während ihrer Zeit im bewaffneten Konflikt werden weibliche Kindersoldaten außerdem häufig von männlichen Kämpfern vergewaltigt und sexuell versklavt.

Konsequenzen

Welche Gefahren und Folgen ergeben sich aus diesen Tätigkeiten für die Kinder?

Kinder, die als Kindersoldaten eingesetzt werden, werden oft misshandelt, geschlagen und gezwungen, Grausamkeiten zu begehen. Dadurch sollen die Kinder eingeschüchtert, zum Gehorsam erzogen und gegen die Grausamkeiten abgestumpft werden. Essen, sauberes Wasser und Medikamente sind knapp. Die physischen und psychischen Belastungen, welchen die Kinder ausgesetzt sind, bleiben nicht ohne Folgen. Und wer diesen Anforderungen nicht gewachsen ist, wird von seinen Vorgesetzten schikaniert oder getötet.

Mädchen und Jungen werden von erwachsenen Soldaten sexuell missbraucht. Daraus folgen ungewollte Schwangerschaften und die Ansteckung mit Infektionskrankheiten und/oder HIV/Aids.

Auch wenn sie den Krieg überleben, können sie häufig nicht zurück in ihre Dörfer oder zu noch lebenden Verwandten. Sie sind stigmatisiert und ihre Familien haben Angst vor ihnen oder wollen sich nicht um die ehemaligen Kindersoldaten kümmern. 5) Viele Kinder werden verstümmelt und missbraucht. Die offensichtlichen Verstümmelungen, wie das Abtrennen von Ohren und Nase, schrecken Angehörige ab.

Kindersoldaten haben meist keine Ausbildung oder eine Schule besucht, deshalb können sie weder lesen noch schreiben. Sie erlernen auch nicht die sozialen Grundlagen, um in einer Zivilgesellschaft friedlich mit anderen leben zu können. 2)

Rehabilitation

Mehrere Organisationen, wie beispielsweise die pluralistische NGO SPD in Liberia, versuchen den Kindern nach ihrer Zeit als Kindersoldaten zu helfen. Auf einem Bauerhof in Gbanka bemühen sie sich, den Kindern mit psychologischer Unterstützung und landwirtschaftlicher Beschäftigung zu helfen, ihre schrecklichen Erfahrungen zu verarbeiten und zu überwinden. Die Kinder dort sind meist zwischen 12 und 16 Jahre alt.

Hilfsorganisationen wie der SPD wird ihre Arbeit leider durch die zumeist schwierigen Familienverhältnisse seitens der Kinder erschwert. 6)

Unterschieden wird auch zwischen Kindern, die sich freiwillig als Soldaten gemeldet haben und denen, die gegen ihren Willen rekrutiert und entführt wurden. Leider melden sich oft viele verwaiste Kinder oder Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen, die eine Tätigkeit als Kindersoldat als eine Chance ansehen und hoffen, durch den Dienst als Soldat einer Gruppe anzugehören, freiwillig. 7)

Die schwierigste Frage mit der sich NGOs wie die SPD in Liberia auseinandersetzen müssen, ist die der Wiedereingliederung der Kinder. Oft haben die Kinder nach dem Dienst als Kindersoldat keine Familie mehr, in die sie zurückkehren können oder hatten schon vorher niemanden. Auch das Ansehen von ehemaligen Kindersoldaten in der Gesellschaft ist sehr gering. Die Kinder sind nach der Rehabilitation somit auf die Betreuer angewiesen. Bei der NGO SPD versuchen die Betreuer, den Kindern – sechs Monate lang nachdem sie das Heim verlassen haben – auch durch finanzielle Unterstützung eine Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen.

Quellen + Links

Uni Münster über Kindersoldaten in Uganda

  1. Deutsches Bündnis Kindersoldaten: Weltreport von 2008 – Bericht von UNICEF [zurück zum Text]
  2. Der Artikel ist leider nicht mehr verfügbar. [zurück zum Text][zurück zum Text]
  3. Morden statt Mathe – Stern [zurück zum Text]
  4. Kindersoldaten: Daten und Fakten [zurück zum Text]
  5. 11.000 Kinder werden in Armeen gefangen gehalten – Die Welt [zurück zum Text]
  6. Liberia : enfants non-désirés, adultes indésirables-Link nicht mehr abrufbar:01.12.14  [zurück zum Text]
  7. Liberia : la ferme où l’on élève des enfants humains-Link nicht mehr abrufbar:01.12.14  [zurück zum Text]

4 Antworten auf Kindersoldaten

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  2. dilan sagt:

    Ich finde diese Textquelle verständnisvoll geschrieben und erklärt…
    Doch mir wären weitere Hilfsorganisationen lieber…
    Viele Schüler und Schülerinnen haben Themen wie Kinderarbeit oder Kinderhandel in Fächern wie Deutsch,Politik,Wirtschaft und weitere Fächer.
    Es würde nicht nur mich freuen mehr über Hilfsorganisationen zu erfahren..
    Vielen Dank.

  3. Henriette K sagt:

    Ich finde diesen Text sehr gut geschrieben und es sind auch viele Informationen dabei. Ich musste einen Vortrag dazu bereiten und habe diesen Text gleich genutzt, jedoch finde ich es sehr traurig, das die Kinder dazu benutzt werden.

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