Wo wird mit Kinderarbeit produziert?
Brasilien ist heute, neben den USA, der weltweit größte Orangenproduzent und -exporteur. 80 Prozent des Orangensafts, der in Österreich und Deutschland konsumiert wird, stammt aus Brasilien.
Auf den Orangenplantagen im Bundesstaat Sao Paulo, dem größten Orangenanbaugebiet der Welt, sind rund 15 Prozent der Kinder, die auf Plantagen arbeiten, jünger als 14. 1)
Weitere produzierende Länder sind Mexiko, Indien und China.
Fallbeispiel:
Schicksal von Sidnei aus Brasilien
Seit vier Stunden schon wühlt sich Sidnei durch Blätter und Äste. Flink schnappt sich der Zwölfjährige eine Orange nach der anderen und stopft sie in den großen umgehängten Sack. Dann rückt er die Leiter zurecht, um die Spitze abzupflücken. Seit sieben Uhr geht er von Baum zu Baum auf einer Plantage, deren Ende nicht zu sehen ist. „Mein Alltag besteht nur aus Arbeit. Da gibt’s wenig Zeit. Um fünf Uhr stehe ich auf, geh aus dem Haus und nehme den Bus, der zum Orangenhain fährt. Wenn alles abgeerntet werden soll, dauert das manchmal bis acht Uhr abends.“ Seit einem Jahr arbeitet der kleine schmächtige Junge mit Vater und Bruder auf den Orangenplantagen rund um die Stadt Ità polis im Inneren des Bundesstaates Sao Paolo. 60 Kisten zu je 30 Kilo füllt er pro Tag, die dann von einem Lastwagen abgeholt werden. „Naja, schwer ist die Arbeit auch. Wir müssen ja viele Kisten tragen, die Leiter und so, das ist schon schwer. Ja, und schlecht ist es auch, wenn es regnet. Da ist der Boden aufgeweicht, und wir arbeiten vollkommen durchnässt. Du bekommst eine Grippe und hast nicht mal das Geld, dir Medikamente zu kaufen.“ Am liebsten würde er ja in einer Bank arbeiten, gesteht der 12-jährige noch, als er zwischen den Blättern des nächsten Baumes verschwindet. Aber daraus wird wohl nichts mehr. „Ich muss jetzt arbeiten, um zu Hause meinen Eltern zu helfen.“ Ohne die Hilfe der beiden Söhne nämlich käme der Vater gerade auf einen Mindestlohn von umgerechnet 50 Euro. Das jedoch reicht für die siebenköpfige Familie nicht, die vor einigen Jahren hierher kam. Und wer weiß, wie lange der Vater überhaupt noch mit seinen Rückenschmerzen pflücken kann. Sidnei hat nicht einmal die vierte Klasse abgeschlossen.
Projektmappe Kinderarbeit
Welche Arbeiten werden von Kindern ausgeführt?
Kinder pflücken Orangen auf den Plantagen, schleppen und verladen Orangenkisten, die einen halben Zentner wiegen. Bezahlt werden sie nach gepflückter Menge. Die Arbeit auf den Plantagen ist saisonal, deshalb schuften die Kinder so viel und so schnell wie möglich, damit das Geld für das ganze Jahr ausreicht.2)
Welche Gefahren und Folgen ergeben sich für die Kinder?
Weil Orangenbäume sehr hoch sind, ist das Pflücken gefährlich. Die Kinder stehen auf hohen Leitern mit bis zu 25 kg schweren Pflückbeuteln. Die Kinder erleiden Schäden an der Wirbelsäule. Im schlimmsten Fall stürzen die Kinder von den Leitern. Meistens sind die Orangen mit gefährlichen Pestiziden behandelt worden, die Vergiftungsgefahr ist groß. Andere Gefahren sind giftige Schlangen, Bienen und Wespen, Entzündungen durch Dornen, Magenerkrankungen durch mangelnde Hygiene und Übermüdung durch lange Arbeitstage.3)
Wie können wir gegen Kinderarbeit aktiv werden?
Orangenprodukte mit dem FairTrade-Siegel sind garantiert frei von ausbeuterischer Kinderarbeit. Viele Kaufhäuser und Lebensmittelgeschäfte bieten solche Produkte an.
Außerdem bieten Weltläden Produkte an, die die Existenz der Erzeuger sichern. Sie sind alle fair gehandelt und viele stammen aus ökologischer Produktion.