Mondelēz (vormals Kraft)

Zu Mondelēz (vormals Kraft) gehören die Marken / Firmen:
belVita - Bubblicious - Côte D’Or - Grand-Mère - Hag - Hollywood - Jacobs Kaffee - Jacques Vabre - Malabar - Mikado - Milka - Miracle Whip - Oreo - Philadelphia - Prince - Suchard - Tassimo - Toblerone

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Für "Aktiv gegen Kinderarbeit" relevante Produkte oder Vorprodukte:
Kaffee - Kakao - Landwirtschaft - Zucker - Bergbau - Salz -
Branchenzuordnung: Kaffee, Tee - Lebensmittel - Süßwaren -

Produktionsorte

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

  • Mondelēz produziert nach eigenen Angaben in über 165 Ländern.1)
  • Kaffee wird unter anderem in Vietnam, Brasilien, Indonesien, Peru, Kenia und Äthiopien für das Unternehmen angebaut.2)
  • Haselnüsse kommen überwiegend aus der Türkei.2)

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?

  • In seinen internationalen Richtlinien legt Mondelēz das Mindestalter für eine Beschäftigung auf 15 Jahre fest. Schreiben die örtlichen Gesetze ein höheres Mindestarbeitsalter vor oder besteht Schulpflicht bis zu einem höheren Alter, so wird dieses anerkannt.3)
  • Minderjährige dürfen keine gefährlichen Arbeiten ausführen oder solche, die sie in ihrer Entwicklung gefährden.3)
  • Die Einstellung von Minderjährigen soll die Ausnahme sein.3)
  • Diese Richtlinien gelten uneingeschränkt für alle Zulieferer und Subunternehmen von Mondelēz.3)

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

  • Mondelēz ist Mitglied von „Aim-Progress“, einer Organisation, die sich um die Rückverfolgung und Kontrolle der Produktionswege kümmert und dabei soziale Standards kontrolliert. In diesem Rahmen werden bei Mondelēz selber, aber auch bei den Zulieferern und Subunternehmen unangekündigte Kontrollen durchgeführt.3) Neben Mondelēz sind auch noch 35 andere Großunternehmen Teil von Aim-Progress.4)
  • Nach eigenen Angaben ist Mondelēz noch nicht in der Lage, die Haselnussproduktion in der Türkei vollständig zu kontrollieren. Kinderarbeit kann hier nicht ausgeschlossen werden.2) Das gleiche gilt für die gesamte Kakaowertschöpfungskette.5)

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Das Unternehmen bezieht (womöglich) Kaffee aus Kenia. Dort sind rund 60% aller Kaffeearbeiter Kinder. Aber auch von anderen Ländern, wie Guatemala oder Tansania sind ernsthafte Vorwürfe über ausbeuterische Kinderarbeit im Kaffeeanbau und Kaffeeernte bekannt geworden.
  • Das Unternehmen bezieht (wahrscheinlich) Kakao aus der Elfenbeinküste (woher 40% des auf dem Weltmarkt gehandelten Kakaos stammt) oder anderen westafrikanischen Ländern. Von hier sind ernsthafte Vorwürfe über ausbeuterische Kinderarbeit bekannt und in einer Studie des International Institute for Tropical Agriculture (IITA) belegt worden.
  • Die „Fair Labor Association“ untersuchte 2011 im Auftrag von Nestlé die Arbeitssituation auf Haselnussfeldern in der Türkei. In nahezu allen untersuchten Betrieben wurde Kinderarbeit gefunden und über die Hälfte der Kinder ist unter 15 Jahre alt. Die Kinder müssen die gleichen schweren Arbeiten verrichten wie die Erwachsenen und sind teilweise über 11 Stunden pro Tag auf den Feldern.6) Die Organisation “Stop Child Labour” geht davon aus, dass diese Arbeitssituation auch auf andere Unternehmen der Branche zutrifft, wie zum Beispiel Mondelēz. Sie bemängelt außerdem die Reaktionen der Unternehmen als unzureichend und intransparent.7)
  • Im ÖKO-TEST-Ratgeber „Essen und Trinken 2013“ werden verschiedene Schokoladen darauf getestet, wie fair sie produziert werden. ÖKO-TEST bewertet eine Schokolade von Côte D’Or mit „überwiegend unfair“, obwohl diese durch Rainforest Alliance zertifiziert worden ist.8)
  • Das „Schwarzbuch Markenfirmen –  Die Machenschaften der Weltkonzerne“ aus dem Jahr 2010 wirft Mondelēz (damals noch Kraft) vor, Menschenrechtsverletzungen wie Ausbeutungen und Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen zu dulden.9)
  • Auch die Reportage „Schmutzige Schokolade“ aus dem Jahre 2010 kommt zu dem Schluss, dass sich große Süßwarenhersteller (unter anderem auch Mondelēz, damals noch Kraft) der Kinderarbeit auf ihren Plantage in Westafrika zwar bewusst sind, aber zuwenig dagegen unternehmen.10) Für den zweiten Teil der Dokumentation, welcher Ende 2012 veröffentlich worden ist, wurde überprüft, ob sich die Situation im den betroffenen Ländern mittlerweile verbessert hatte; dies war nicht der Fall. Die Journalisten kritisierten, „dass die weltweit agierenden Konzerne zwar viel Werbung mit Umdenken und Hilfen für afrikanische Kinder betreiben, dass in Wirklichkeit aber wenig vor Ort geschieht.“11)

 

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  • Mondelēz sind die Probleme auf den Kakaoplantagen bewusst, weshalb sie im Rahmen ihres Programms „Cocoa Life“ innerhalb von 10 Jahren 400 Millionen Dollar in die nachhaltige Entwicklung von Kakaobauern weltweit investieren wollen. Durch einen ganzheitlichen Ansatz soll die Lebenssituation der Bauern verbessert werden und Kinderarbeit somit von vornherein verhindert werden.12) Da Mondelēz jedoch nur ca. 8% des eingekauften Kakaos wirklich bis zur Plantage zurückverfolgen kann, kritisiert die schweizerische Organisation „Erklärung von Bern“ (EvB), dass das Programm trotz relativ hoher Investitionen nicht ausreichend umgesetzt werden kann. Außerdem fehlen viele wichtige Punkte, so EvB.13) Die Wochenzeitung WOZ, ebenfalls aus der Schweiz, bemängelt den Ansatz von Cocoa Life, Einkommenssteigerungen bei den Bauern nur durch Ertragssteigerung erreichen zu wollen. Dies sei weit entfernt von der ursprünglichen Fairtrade-Bewegung und würde nicht ausreichen, um das Gehalt der Bauern auf ein ausreichendes Niveau zu heben.14)
  • Auch im Bezug auf die Kaffeeproduktion hat Mondelēz ein Programm zur Verbesserung der Lebenssituation der Kaffeebauern initiiert: „Coffee Made Happy“. Bis zum Jahr 2020 will das Unternehmen mit einer Mindestinvestition von 200 Millionen US Dollar Kaffeebauern unterstützen. Ihnen soll das nötige Wissen vermittelt werden, wie man ein nachhaltiges, rentables und innovatives Unternehmen führt. Es besteht außerdem eine Kooperation mit der Rainforest Alliance und der 4C Association.15)
  • Die Situation auf den Haselnussfeldern ist Mondelēz ebenfalls bekannt. Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen mit der ILO und dem europäischen Süßwarenverband CAOBISCO zusammen, um die Situation zu verbessern. Dabei geht es in erster Linie um Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen sowie einer Umstrukturierung der Produktionskette, um eine Rückverfolgung der Haselnüsse zu erleichtern.2)

 

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Mondelēz unterstützte die Regierung der Elfenbeinküste mit 1,54 Millionen Dollar bei einem Aktionsplan gegen Kinderarbeit.16)
  • Über die oben genannten Programme „Cocoa Life“ und „Coffee Made Happy“ hinaus unterstützt Mondelēz einige Bildungsprojekte für Kinder auf der ganzen Welt. Diese zielen hauptsächlich auf Gesundheitserziehung. In Deutschland wird zum Beispiel das Projekt „Klasse 2000“ unterstützt.

Bemerkenswertes

Gibt es Erwähnenswertes (positiv oder negativ) über das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hinaus in Bezug auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen?

  • Es liegen uns hierzu keine aussagekräftigen Informationen vor.

Links und Quellen

  1. E-Mail des Unternehmens an earthlink vom 17.06.2014 []
  2. E-Mail des Unternehmens an earthlink vom 17.06.2014 [] [] [] [] []
  3. mondelezinternational.com – Compliance and Integrity – aufgerufen am 18.06.2014 [] [] [] [] []
  4. aim-progress.com – Aim-Progress Members – aufgerufen am 18.06.2014 []
  5. Milka – FAQ – nicht mehr aufrufbar 20.2.15 []
  6. Fair Labor Association, 10.04.2014: Independent External Monitoring of Nestlé’s Hazelnut Supply Chain in Turkey – aufgerufen am 20.06.2014 []
  7. Stop Child Labour, 28.04.2014: Child labour, long hours and low wages still rife in Turkish hazelnut production – aufgerufen am 20.06.2014 Link nicht verfügbar []
  8. ÖKO-TEST-Zeitschrift „Ratgeber Essen und Trinken 2013“ – Genuss und Verdruss, S. 104/105 []
  9. Klaus Werner Lobo, Hans Weiss: Das neue Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne. Ullenstein, Berlin 2010, ISBN 978-3-548-37314-0, S. 160-162, 312 f. []
  10. Mediathek des ARD: Schmutzige Schokolade – nicht mehr verfügbar, aufgerufen am 20.06.2014 []
  11. dokumentarfilm.info – Doku-Kritik: Immer noch schmutzige Schokolade – aufgerufen am 20.06.2014 []
  12. Cocoa Life – aufgerufen am 20.06.2014 []
  13. Erklärung von Bern: Firmenengagent für Menschenrechte im Kakaoanbau – aufgerufen am 20.06.2014 []
  14. WOZ, 14.03.2013: 51 Säcke Bohnen und ein bisschen Fairtrade – aufgerufen am 20.06.2014 []
  15. mondelezinternational.de: Coffee made happy– stand 20.2.15 []
  16. 2012 Findings on the Worst Forms of Child Labor – US. Department of Labor – aufgerufen am 20.06.2014 []

Bedeutung der Farbpunkte

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit

Firma hat Verhaltenskodex, der sich eindeutig gegen Kinderarbeit auch bei Lieferanten ausspricht, bzw. produziert ausschließlich unter Bedingungen, die Kinderarbeit strukturell ausschliessen.

Firma spricht sich gegen Kinderarbeit aus, hat aber keinen Verhaltenskodex oder ähnliches.

Firma hat weder Verhaltenskodex noch liegen uns andere Aussagen vor, in denen sie sich gegen Kinderarbeit ausspricht oder sie meint, dass die Problematik sie nicht betrifft (dies wird im Firmen-Detail erläutert).

Kontrollen der Produktionsstätten

Es gibt unabhängige Kontrollen in allen relevanten Produktionsstufen bzw. in allen relevanten Stufen der Lieferkette.

Es gibt nur interne,  nur teilweise (das heißt: nicht in allen relevanten Produktionsstufen bzw. nicht in allen relevanten Stufen der Lieferkette) externe bzw. unabhängige oder zweifelhafte externe Kontrollen.

Es gibt keine Kontrollen bzgl. Kinderarbeit oder die Firma macht dazu keine Angaben.

Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit

Es gibt keine konkreten Vorwürfe oder es gab Vorwürfe, die aber glaubhaft widerlegt wurden oder sich nicht erhärteten.

Erhärteten Vorwürfen wurde nachgegangen und ‚positiv‘ reagiert. ‚Positiv‘ = Den betroffenen Kindern wird eine Alternative / Entschädigung geboten.

Es gibt ernstzunehmende Vorwürfe und es wird nicht oder ‚negativ‘ darauf reagiert. ‚Negativ‘ = Es gab nur interne Kontrollen, Vorwürfe wurden abgestritten oder die Geschäftsbeziehungen wurden einfach beendet.

Engagement gegen Kinderarbeit

Firma engagiert sich langfristig und aktiv gegen ausbeuterische Kinderarbeit, d.h. nicht nur mit Geldspenden.

Firma engagiert sich im sozialen Bereich, aber nicht direkt in Bezug auf Kinderarbeit oder lediglich mit Geld- oder Sachspenden.

Kein Farbpunkt: Uns liegen keine Informationen über relevantes soziales Engagement der Firma zur Verhinderung von ausbeuterischer Kinderarbeit vor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.