H&M

Zu H&M gehören die Marken / Firmen:
Cheap Monday

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Für "Aktiv gegen Kinderarbeit" relevante Produkte oder Vorprodukte:
Baumwolle - Schuhe - Textilien -
Branchenzuordnung: Mode, Bekleidung, Textilien -

Produktionsorte

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?

  • Sowohl im Verhaltenskodex von 19973), der auf den Richtlinien der ILO und der UN-Kinderrechtskonventionen beruht, als auch im Nachhaltigkeitsbericht 20124), spricht sich das Unternehmen klar gegen Kinderarbeit aus. Die Normen aus dem Verhaltenskodex gelten für alle Lieferanten und Sublieferanten.

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

  • Seit 2005 hat H&M ein neues Auditing-System entwickelt, das Full Audit Programm (FAP)5), welches tiefer gehende Kontrollen und bessere Kontrollen der Sublieferanten ermöglichen soll. 2010 wurden 1938 Audits in Fabriken, die für H&M arbeiten, durchgeführt. H&M konzentriert sich auf Kontrollen von den wichtigsten Lieferanten. Neben Kontrollen sei es für H&M auch von hoher Bedeutung, zu Bewusstseinsbildungsprozessen für soziale und ökologische Fragen beizutragen, beispielweise durch Schulungen für das Management aber auch durch Workshops, die etwa die Arbeiter selbst über ihre Rechte aufklären und somit die Basis dafür schaffen, für diese auch selbst einzutreten.6) Das FAP bewertet ob die in der Fabriken existierende Strukturen Menschenrechtsverletzungen vorbeugen. Dies wird seit Dezember 2010 mittels eines neuen Bewertungssystems für Lieferanten (ICoC) gemessen.5)
  • Im November 2007 erklärte ein H&M-Sprecher, dass H&M keine Kontrolle über die Baumwollproduktion habe.7)8)
  • Seit 2008 ist H&M zudem Mitglied der Fair Labor Association9), die zusätzliche, unabhängige Kontrollen bei Zulieferbetrieben von H&M, beginnend in China, durchführt.10)
  • Laut der Sendung „Der H&M Markencheck“ gibt es in den Fabriken der Sublieferanten nicht immer unangekündigte Kontrollen. Der Arbeitsmarktforscher Khorshed Alam sagte, das Netz der Sublieferanten könne nicht verlässlich kontrolliert werden, da es viel zu unübersichtlich sei.11)

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  •  Im Dezember 1997 wurde im schwedischen Fernsehen eine Dokumentation gesendet, in der H&M unter anderem der Kinderarbeit auf den Philippinen beschuldigt wurde.12)
  • Im November 2007 berichtet das schwedische Fernsehen erneut über Kinderarbeit für H&M-Produkte, diesmal bei der Baumwollproduktion in Usbekistan, bei der auch H&M-Produzenten einkaufen.7) 13) Die H&M-Unternehmenssprecherin Annacarin Björne gibt zu, dass dies schon lange bekannt sei, weist aber die Verantwortung für die Produktionsbedingungen in der langen Lieferkette von sich.14)
  • 2010 wurden bei Kontrollen neun Fälle von Kinderarbeit endeckt, vor allem in Fabriken in China.2)
  • Im Mai 2011 veröffentlichte das niederländische Forschungszentrum SOMO (Centre for Research on Multinational Corporation) und das INC (Indian Comittee of the Netherlands) den Bericht „Captured by Cotton“, in dem vier Textilunternehmen in Südindien untersucht wurden, die auch für H&M produziert haben sollen. Es wurden schwere Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt, darunter auch Kinderarbeit.15)
  • Im Januar 2012 berichtete die ARD in der Sendung „Der H&M-Check“ über die Arbeitsbedingungen bei H&M. Der Vorwurf der Kinderarbeit in Fabriken in Bangladesch, die für H&M produzieren sollen, konnte allerdings nicht eindeutig nachgewiesen werden.16)

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  •  H&M hat auf die Vorwürfe von 1997 laut konsument.at offensiv reagiert und daraufhin einen freiwilligen Verhaltenskodex erarbeitet.12)
  • Auf die Vorwürfe im November 2007 reagierte eine H&M-Unternehmenssprecherin unter anderem so: H&M könne nur Unternehmen kontrollieren, mit denen direkte Geschäftsbeziehungen bestehen, das seien die Lieferanten und deren Zulieferer. „Mit den Baumwolllieferanten haben wir keine Geschäftsbeziehung.“17)
  • Die Firma sprach sich trotzdem klar gegen Kinderarbeit bei der Baumwollernte in Usbekistan aus. In einer Email an EarthLink vom November 2007 wurde die Situation als „inakzeptabel“ bezeichnet. H&M beteiligte sich an einem Meeting zu diesem Thema, welches 2010 von Responsible Sourcing Network, dem Institute for Human Rights und Anti-Slavery International veranstaltet wurde.  Zudem versucht H&M durch die Mitgliedschaft in der BCI18), den Baumwollanbau weltweit zu verbessern und ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltig zu gestalten.19)
  • H&M will seinen Einfluss auf die Baumwollproduzenten erhöhen. Dazu fordert H&M alle seine Baumwolle verarbeitenden Lieferanten (z.B. mit eigenen Spinnereien) dazu auf, beim Einkauf und der Verarbeitung von Baumwolle keine Baumwolle zu verwenden, bei der der Verdacht besteht, dass diese unter Einsatz von Kinderarbeit gepflückt worden ist.20)
  • Laut dem von H&M selbst veröffentlichten Ergebnisberichts über eigene Kontrollen bei seinen Lieferanten im Jahr 2010 wurden neun Fälle von Kinderarbeit entdeckt, die Mehrzahl davon in China. Den Kindern wurde daraufhin sofort, je nach individueller Situation, sowohl finanziell, als auch mit Schulbildung, geholfen.2)
  • H&M und andere betroffende Firmen äußerten sich zu den Vorwürfen des Berichts „Captured by Cotton“ mit einer gemeinsamen Stellungnahme. Sie zeigten sich besorgt und wollen verschiedene Maßnahmen, darunter das Verbot der Anstellung von ArbeiterInnen unter dem legalen Mindestalter in der Bekleidungsbranche.15)
  • Zu den Vorwürfen der Kinderarbeit in Bangladesh äußerte sich der verantwortliche H&M-Mangager Lampa folgendermaßen: H&M halte sich grundsätzlich immer an die rechtlichen Bestimmungen der Länder, in denen produziert wird. Seien diese unklar, so halte man sich an die Richtlinien der ILO.11)

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Seit 1999 setzt sich H&M in Bangladeshs Hauptstadt Dhaka für die Ausbildung junger Menschen ein. Es wurde eine Schule geschaffen, an der jährlich 100 junge Menschen ab 17 Jahren zu NäherInnen ausgebildet werden. Jedem Absolvent ist ein Arbeitsplatz in einer der Zuliefererfirmen von H&M sicher. Ursprünglich war das Projekt für Kinder gedacht, die als Arbeiter in Firmen entdeckt wurden. Dies ist aber heute laut H&M nur noch selten der Fall.21)
  • In der Projektphase von Juli 2008  bis Sommer 2009 unterstützte H&M Unicef bei einem Einsatz in Usbekistan. Das Projekt hatte zum Ziel, die Öffentlichkeit für das Thema Kinderarbeit, vor allem in der Baumwollindustrie, zu sensibilisieren und Schutzmaßnahmen für die Kinder zu konzipieren.22)
  • Seit 2009 arbeitet H&M mit UNICEF in Indien im Rahmen des Programms „All for Children“ zusammen. Ziel des Programmes ist es, dass Kinder aus Südindien nicht mehr arbeiten müssen, sondern wieder in die Schule gehen können.23) 8)

Bemerkenswertes

Gibt es Erwähnenswertes (positiv oder negativ) über das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hinaus in Bezug auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen?

  • Die 2012 bei der ARD ausgestrahlten Sendung „Der H&M-Check“ berichtete unter anderem über sehr niedrige Löhne in den Fabriken in Bangladesh. Dies wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit für Kinderarbeit, weil die Eltern die Familie von dem Gehalt nicht ernähren können und deshalb auch die Kinder arbeiten müssen. Zwar hat H&M dazu beigetragen, dass der Mindestlohn verdoppelt wurde, dennoch wurde von Experten kritisiert, dass H&M nicht genügend Druck auf Fabriken und Regierung ausübt, damit dieser noch weiter erhöht wird.11)
  • H&M ist Mitglied in der Fair Labor Association9) und nimmt am Global Compact teil.24)
  • H&M ist außerdem Mitglied der Better Cotton Initiative – BCI.25)
  • H&M unterstützt verschiedene weitere Initiativen im ökologischen
    und sozialen Bereich. Einen Überblick gibt es auf der H&M Webseite
    „About H&M – Sustainability“.26)
  • H&M hat es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahre 2020 nur noch Biobaumwolle zu verarbeiten.27)
  • Die Firma setzt sich zudem aktiv für Umweltschutz ein.28)

Stand: 06/03/2012

Quellen und Links

H&M Sustainability

  1. H&M Production []
  2. H&M Bericht über das Full Audit Programm [] [] []
  3. H&M Code of Conduct – aufgerufen am 28.05.2014 []
  4. Nachhaltigkeitsbericht []
  5. H&M Monitoring and Grading – aufgerufen am 28.05.2014 [] []
  6. Mitteilung von H&M an Earthlink 20.8.2007 []
  7. Bericht bei stern.de [] []
  8. H&M All for Children – aufgerufen am 28.05.2014 [] []
  9. fairlabor.org [] []
  10. E-mail-Antwort vom 20.08.2007 []
  11. ARD Markencheck H&M [] [] []
  12. konsument.at [] []
  13. ARD Kinderarbeit für Baumwolle in Usbekistan []
  14. Bericht „Angeblich Kinderarbeit bei H&M-Produkten“ bei diePresse.com []
  15. Bericht „Captured by Cotton“ [] []
  16. ARD Markencheck H&M []
  17. Bericht „Angeblich Kinderarbeit bei H&M-Produkten“ bei diePresse.com []
  18. BCI Mitglieder []
  19. E-Mail-Antwort vom 29.11.2007 []
  20. E-Mail-Antwort vom 29.11.2007 []
  21. H&M Training centre Bangladesh – aufgerufen am 28.05.2014 []
  22. unicef.org []
  23. Unicef All for Children – aufgerufen am 28.05.2014 []
  24. unglobalcompact.org []
  25. BCI Mitglieder []
  26. H&M Sustainability []
  27. H&M Baumwolle – aufgerufen am 28.05.2014 []
  28. H&M Be climate smart []

Bedeutung der Farbpunkte

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit

Firma hat Verhaltenskodex, der sich eindeutig gegen Kinderarbeit auch bei Lieferanten ausspricht, bzw. produziert ausschließlich unter Bedingungen, die Kinderarbeit strukturell ausschliessen.

Firma spricht sich gegen Kinderarbeit aus, hat aber keinen Verhaltenskodex oder ähnliches.

Firma hat weder Verhaltenskodex noch liegen uns andere Aussagen vor, in denen sie sich gegen Kinderarbeit ausspricht oder sie meint, dass die Problematik sie nicht betrifft (dies wird im Firmen-Detail erläutert).

Kontrollen der Produktionsstätten

Es gibt unabhängige Kontrollen in allen relevanten Produktionsstufen bzw. in allen relevanten Stufen der Lieferkette.

Es gibt nur interne,  nur teilweise (das heißt: nicht in allen relevanten Produktionsstufen bzw. nicht in allen relevanten Stufen der Lieferkette) externe bzw. unabhängige oder zweifelhafte externe Kontrollen.

Es gibt keine Kontrollen bzgl. Kinderarbeit oder die Firma macht dazu keine Angaben.

Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit

Es gibt keine konkreten Vorwürfe oder es gab Vorwürfe, die aber glaubhaft widerlegt wurden oder sich nicht erhärteten.

Erhärteten Vorwürfen wurde nachgegangen und ‚positiv‘ reagiert. ‚Positiv‘ = Den betroffenen Kindern wird eine Alternative / Entschädigung geboten.

Es gibt ernstzunehmende Vorwürfe und es wird nicht oder ‚negativ‘ darauf reagiert. ‚Negativ‘ = Es gab nur interne Kontrollen, Vorwürfe wurden abgestritten oder die Geschäftsbeziehungen wurden einfach beendet.

Engagement gegen Kinderarbeit

Firma engagiert sich langfristig und aktiv gegen ausbeuterische Kinderarbeit, d.h. nicht nur mit Geldspenden.

Firma engagiert sich im sozialen Bereich, aber nicht direkt in Bezug auf Kinderarbeit oder lediglich mit Geld- oder Sachspenden.

Kein Farbpunkt: Uns liegen keine Informationen über relevantes soziales Engagement der Firma zur Verhinderung von ausbeuterischer Kinderarbeit vor.

26 Kommentare zu H&M

  1. Pingback: Isabel Marant pour H&M | Womanmade

  2. Interessant die vielen Meinungen der Menschen zu lesen und das ein großes Unternehmen wie H&M in die negativ Schlagzeilen gerät ist nachvollziehbar. Nur sind davon alle großen Profitunternehmen betroffen. Das H&M reagiert wenn so etwas wie Kinderarbeit ans Tageslicht kommt, ist verständlich. Wenn alle Konsomenten mehr Druck machen wird es auch besser werden, egal welche Firma. Es kann jeder frei entscheiden wo er einkauft und in welcher Qualität. Misstände gibt es auf der ganzen Welt und wir Europäer sind leider von Asien abhängig geworden. Mal einen Versuch ein jeden einzelnen, probiert doch mal ein paar Tage oder 1 Woche euren Konsum für eine 4 köpfige Familie über Made in Germany abzudecken. Und das vielleicht auch für die Elektronik, siehe Smart-phones. Und jetzt denkt nach.

    • Sabine sagt:

      Ja, vielleicht müßte man dann mal auf die smartphones und neue garderobe zu jeder neuen saisson verzichten…oder können wir ohne das nicht überleben? Die Frage ist nicht ob wir armen Europäer abhängig sind vom bösen billig Asien sondern ob wir konsumabhängig sind und dafür vieles in Kauf nehmen.

      • ANEMONE sagt:

        Sehr wahr, Sabine! Es ist schon komisch, alles, einfach alles haben zu wollen, wenn man dafür in Kauf nimmt, dass andere dafür am Existenzminimum herumkrebsen und es auf deren Kosten geht. Wichtig sind in diesen Ländern soziale Arbeitsbedingungen und Löhne, von denen eine Familie leben kann und dafür keine Kinder arbeiten müssen! Dafür muss man auch bereit sein, mehr zu zahlen, um ein ruhiges Gewissen zu haben.

      • Bernhard sagt:

        … und wenn das Smartphone kaputt ist gibt´s als Alternative zu den üblichen Verdächtigen auch das FairPhone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.