Gap

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Für "Aktiv gegen Kinderarbeit" relevante Produkte oder Vorprodukte:
Baumwolle - Baumwollsaatgut - Kautschuk - Schuhe - Textilien -
Branchenzuordnung: Mode, Bekleidung, Textilien -

Produktionsorte

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

  • GAP produziert in diversen Ländern auf verschiedenen Kontinenten, u.a. in: Brasilien, Kambodscha, China, El Salvador, Indien, Indonesien, Mexiko, Pakistan, USA, Vietnam1)
  • Bevor eine Fabrik für GAP tätig werden kann, muss sie sich einem einführenden Audit unterziehen. Dies trifft ebenfalls für die Textilindustrie zu, also Subunternehmer, die ihre Stoffe an primäre Lieferanten für GAP weiterleiten. Da sich Produktionsstandards im Laufe der Zeit ändern können, betrachtet GAP das Monitoring als kontinuierlichen Vorgang2)

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?

  • Human Rights Policy: ausdrückliches Verbot von Kinderarbeit3)
  • Code of Vendor Conduct: keine Beschäftigung von Kindern unter dem gesetzlichen Mindestalter des jeweiligen Landes, mindestens aber 15 Jahre. Falls gesetzliches Mindestalter höher, gilt dieses.4)

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

  • GAP führt regelmäßige Kontrollen seiner Produktionsstätten durch bzw. ein initielles Monitoring bevor eine Fabrik/Firma für GAP produzieren bzw. liefern darf. GAP unterhält ein Spezialistenteam von ca. 50 Experten zu CSR, die in den meisten Fällen lokale Wurzeln an den Produktionsorten haben und somit in kontinuierlichem Dialog mit den Managern der Zulieferfirmen und Produktionsstätten stehen.5)
  • Arbeitet(e) mit unabhängigen Überwachungsorganisationen wie GMIES in El Salvador (seit Mitte 90er Jahre), COVERCO in Guatemala, EMIH in Honduras, PASE in Nicaragua6)
  • GAP ist Gründungsmitglied des sogenannten „Better Work“-Programms der ILO und der International Finance Corporation. Zulieferer, die an diesem Programm teilnehmen, werden nicht intern durch GAP kontrolliert, sondern im Rahmen des Programms, wodurch eine unabhängige Beurteilung gewährleistet werden soll. In den Ländern, in denen das „Better Work“-Programm läuft, hat GAP sein internes Monitoring komplett beendet und beruft sich auf Bewertungen und Berichte im Rahmen des Programms. Better Work hat mittlerweile einen separaten Monitoring-Prozess entwickelt, der sich teilweise von dem von GAP unterscheidet.7)8)

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Im Oktober 2007 berichtet die britische Zeitung „Observer“, Kinder, von denen einige nicht älter als zehn gewesen seien, müssten für einen Gap-Subunternehmer in Neu-Delhi (Indien) Blusen für die Kinder-Modelinie Gap Kids in Europa und den USA nähen.9)
  • Gemäß GAP handelte es sich bei dem Unternehmen, welches das Kind angestellt hatte, um ein nicht-authorisiertes Subunternehmen (eine Näherei), das von einem GAP-Subunternehmer unerlaubterweise beauftragt wurde und somit klar gegen den Code of Vendor Conduct verstieß.

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  • GAP-Präsident, Marka Hansen, versprach daraufhin öffentlich, die betroffenen Kinder bis zu ihrem legalen Arbeitsalter hin zu bezahlen und ihnen dann eine Stelle anzubieten.10) Gemäß unserer Informationen wurde dieses Versprechen jedoch niemals eingelöst und wirkt im Nachhinein wie ein bloßer Versuch der „Image-Aufbesserung“.
  • GAP stornierte daraufhin die entsprechende Bestellung und stellte sicher, dass die Stoffe niemals verkauft wurden.11)
  • Bachpan Bachao Andolan (BBA), eine Organisation zum Schutz von Kinderrechten und die indische Regierung sorgten für eine Entschädigung der betroffenen Kinder und für eine Wiedervereinigung mit deren Familien.11)
  • Die Näherei wurde mit sofortiger Wirkung von künftigen GAP-Produktionen ausgeschlossen. Der Subunternehmer, der die Näherei unerlaubterweise beuftragt hatte, wurde auf Bewährung/Probezeit gesetzt, zusätzlich wurden 50% der Bestellungen für die nächsten sechs Monate storniert.11)
  • Zusätzlich organisierte GAP im November 2007 eine Konferenz seiner nordindischen Zuliefer-Unternehmen und unterstrich nochmals seine Unternehmenspolitik der „zero tolerance“, was Kinderarbeit anbelangt.12)
  • Des Weiteren überabeitete GAP nochmals seine Richtlinien zum Thema Kinderarbeit und formulierte neue Vorsichtsmaßmahmen, die derartige Vorfälle in Zukunft verhindern sollen.12)
  • GAP nahm nach der Erhärtung der Vorwürfe im Jahr 2007 zehntausende Kleidungsstücke vom Markt.13)

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Neben strengeren Kontrollen und Regeln entlang seiner Wertschöpfungskette versucht GAP das Bewußtsein für Kinderarbeit in Indien zu erweitern und die Bevölkerung über das Thema auzuklären und zu informieren. Seit Herbst 2008 wurden beispielsweise ingesamt 200 Dörfer in Ostindien besucht, um das Bewußtsein der Menschen hinsichtlich Kinderarbeit zu schärfen.12)
  • 2008 organisierte GAP eine Konferenz zum Thema Menschenhandel und Kinderarbeit zusammen mit Vertretern der indischen Regierung, Organisationen der UNO und anderen Marken und Zulieferunternehmen. Die Konferenz war Ausgangspunkt zur Bildung einer Plattform für „public-private-partnership“ zwischen Regierung, NGOs und der Textilindustrie im weiteren Sinne, um gemeinsam gegen Menschenhandel und Kinderarbeit anzugehen.12)
  • Seit 2006 ist GAP Mitglied des Ethical Trading Initiative´s Homeworkers Program (ETI). Neben weiteren Kernpunkten ist ein Hauptziel der ETI, die indische Regierung zu bewegen, mehr Engagement bei der Schulung und Aufklärung zum Thema Kinderarbeit an den Tag zu legen.12)
  • Ein prominentes Beispiel für GAPs Bemühungen über die eigenen Fabrikwände hinaus gegen Kinderarbeit einzutreten, stellt das Engagement in Usbekistan dar: Jedes Jahr werden in Usbekistan über eine Millionen Kinder gezwungen, auf Baumwollplantagen zu arbeiten. Einer der erschreckendsten Aspekte dieser Tatsache ist, dass die Regierung diese Zwangsarbeit organisiert. GAP ist Teil einer Interessensvertretung, bestehend aus NGOs, Arbeitnehmervereinigungen, CSR-Investoren und andern Markennamen, die versucht, diese unmenschliche Praxis zu beseitigen.14)

Bemerkenswertes

Gibt es Erwähnenswertes (positiv oder negativ) über das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hinaus in Bezug auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen?

  • “ Schmähpreis“ an GAP:  GAP erhielt 2014 den Public Eye Award, eine Auszeichnung für Unternehmen, die „besonders Menschen und Umwelt verachtende Geschäftspraktiken an den Tag legen.“ . Die Begründung: „Nach dem Einsturz der Rana-Plaza-Fabrik in Bangladesch, welchem mehr als 1100 Menschen zum Opfer fielen, haben über 100 global tätige Bekleidungsfirmen ihre Verantwortung für die Sicherheit in ihren Wertschöpfungsketten wahrgenommen und den «Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh» unterzeichnet. Textilgigant Gap hingegen – einer der Hauptabnehmer von Kleidern aus Bangladesch – weigert sich bis heute, das rechtlich verbindliche Abkommen mit den Gewerkschaften zu unterzeichnen. Stattdessen unterminiert Gap mit einem eigenen Pseudo-Abkommen aktiv die Bemühungen für wirksame Reformen.“ 15)
  • GAP engagiert sich im Rahmen von CSR in vielerlei Hinsicht. Dabei geht es u.a. um soziale Belange wie Mitarbeiterzufriedenheit, aber auch ökologische Aspekte wie Umweltverträglichkeit usw. (siehe: Gap inc. Social Responsability)

Links und Quellen

 

  1. GAP inc.: Auflistung Produktionsorte, 2011 []
  2. GAP inc.: factory approval list, 2011 []
  3. GAP inc.: Human Rights Policy; aufgerufen am 26.01.2017 []
  4. GAP inc.: Code of Vendor Conduct []
  5. GAP inc.: Monitoring; nicht mehr verfügbar 26.01.2017 []
  6. Maquila Solidarity Network; nicht mehr verfügbar 26.01.2017 []
  7. Better Work []
  8. GAP inc.: ILO/IFC Better Work program []
  9. Link zum Artikel von „The Observer“ (englisch) []
  10. BBA: Gap stitches in time – Link zum Artikel nicht mehr abrufbar am 28.02.2014 []
  11. GAP-Report: Combatting Child Labour in the Garment Industry [] [] []
  12. GAP-Report: Combatting Child Labour in the Garment Industry [] [] [] [] []
  13. Link zum Artikel von Paradisi []
  14. GAP inc.: Uzbek Cotton []
  15. Public Eye Award: GAP; nicht mehr aufrufbar 19.02.15 []

Bedeutung der Farbpunkte

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit

Firma hat Verhaltenskodex, der sich eindeutig gegen Kinderarbeit auch bei Lieferanten ausspricht, bzw. produziert ausschließlich unter Bedingungen, die Kinderarbeit strukturell ausschliessen.

Firma spricht sich gegen Kinderarbeit aus, hat aber keinen Verhaltenskodex oder ähnliches.

Firma hat weder Verhaltenskodex noch liegen uns andere Aussagen vor, in denen sie sich gegen Kinderarbeit ausspricht oder sie meint, dass die Problematik sie nicht betrifft (dies wird im Firmen-Detail erläutert).

Kontrollen der Produktionsstätten

Es gibt unabhängige Kontrollen in allen relevanten Produktionsstufen bzw. in allen relevanten Stufen der Lieferkette.

Es gibt nur interne,  nur teilweise (das heißt: nicht in allen relevanten Produktionsstufen bzw. nicht in allen relevanten Stufen der Lieferkette) externe bzw. unabhängige oder zweifelhafte externe Kontrollen.

Es gibt keine Kontrollen bzgl. Kinderarbeit oder die Firma macht dazu keine Angaben.

Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit

Es gibt keine konkreten Vorwürfe oder es gab Vorwürfe, die aber glaubhaft widerlegt wurden oder sich nicht erhärteten.

Erhärteten Vorwürfen wurde nachgegangen und ‚positiv‘ reagiert. ‚Positiv‘ = Den betroffenen Kindern wird eine Alternative / Entschädigung geboten.

Es gibt ernstzunehmende Vorwürfe und es wird nicht oder ‚negativ‘ darauf reagiert. ‚Negativ‘ = Es gab nur interne Kontrollen, Vorwürfe wurden abgestritten oder die Geschäftsbeziehungen wurden einfach beendet.

Engagement gegen Kinderarbeit

Firma engagiert sich langfristig und aktiv gegen ausbeuterische Kinderarbeit, d.h. nicht nur mit Geldspenden.

Firma engagiert sich im sozialen Bereich, aber nicht direkt in Bezug auf Kinderarbeit oder lediglich mit Geld- oder Sachspenden.

Kein Farbpunkt: Uns liegen keine Informationen über relevantes soziales Engagement der Firma zur Verhinderung von ausbeuterischer Kinderarbeit vor.

2 Kommentare zu Gap

  1. Enum sagt:

    Jon Oliver hat letztens noch einmal aufgezeigt, dass GAP durchaus von Kinderproduziert wird.
    Indem einfach wie bei vielen anderen auch die Arbeit einfach von (schlecht) ueberwachten Firmen an nicht ueberwachte Firmen (subcontractor) weitergereicht wird.

    Bitte updaten!

    hier der Link zur Folge:
    https://www.youtube.com/watch?v=VdLf4fihP78

    • Carolin / earthlink sagt:

      Hallo Enum,
      vielen Dank für deinen Hinweis. Last Week Tonight zeigt auf unterhaltsame Weise die Probleme von Kinderarbeit in der Textilindustrie auf. Allerdings wird dabei der Eindruck vermittelt, dass nur billige Kleidung von Kinderarbeit betroffen ist. Unserer Firmenliste ist zu entnehmen, dass Kinder auch teure Desinger-Ware herstellen müssen.
      Die Vorwürfe, die John Oliver bringt, sind berechtigt. Wenn du in der Firmenliste auf GAP klickst, kannst du sie nocheinmal detailliert nachlesen. Im Ampelsystem ist GAP nicht rot, da es ernstzunehmende Reaktionen auf die Vorwürfe gab. Die Farbe gelb zeigt an, dass sich das Unternehmen offiziell bemüht, aber die Verbesserungen noch nicht ausreichen.
      Viele Grüße,
      dein earthlink-Team

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