Arcadia Group

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Für "Aktiv gegen Kinderarbeit" relevante Produkte oder Vorprodukte:
Baumwolle - Textilien -
Branchenzuordnung: Mode, Bekleidung, Textilien -
Das Unternehmen hat auf unsere Nachfrage an corporatepress@arcadiagroup.co.uk am 29.06.2013, 12.09.2013 und 15.10.2013 noch nicht geantwortet.

Produktionsorte

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

  • Arcardia Group lässt in 1 040 Fabriken in derzeit 44 Ländern produzieren. Über 73 % der Textilien werden in 5 Ländern produziert: China, Türkei, Rumänien, Mauritius und Indien.1)
  • Für die Marke BHS gilt dagegen: die Textilien werden ebenfalls aus etwa 44 Ländern produziert, 75 % der Zulieferungen kommen aus: China, UK, Bangladesh, Indien und Vietnam.1)
  • In Großbritannien produzieren insgesamt 54 Fabriken für Arcardia Group.1)

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?

  • In einem eigenen Verhaltenskodex (Code of Conduct) spricht sich Arcadia Group gegen Kinderarbeit aus. Der Verhaltenskodex soll ebenso für die Zulieferer der einzelnen Marken gelten.2)
  • Das Mindest-Beschäftigungsalter soll mit ILO Richtlinien übereinstimmen. Die ILO legt in der Konvention 138 das Mindestalter auf 15 Jahre (bzw. 14 Jahren in Entwicklungsländern) fest. Für Jugendliche Arbeiter (15-17 Jahre) sollen gesonderte Arbeitsbedingungen gelten.3)
  • Darüber hinaus fordert Arcadia Group ihre Tochtergesellschaften dazu auf, zu einer Unternehmenspolitik beizutragen, die Kindern anstelle von Arbeit eine angemessene Ausbildung ermöglicht.4)

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

  • Die Einhaltung des Codes of Conduct in den Zulieferfabriken soll durch Audits mindestens einmal pro Jahr kontrolliert werden. Die Kontrollen werden laut Arcadia Group von unabhängigen Audit-Unternehmen durchgeführt.5)
  • Den Zulieferern obliegt die hauptsächliche Verantwortung über die Fabriken und sie  müssen die Informationen an Arcadia Group weiterleiten. Die Fabriken oder Zulieferer sollen die Audits initiieren, die gleichzeitig mit einem Kostenaufwand für die Zulieferfabriken an das Audit-Unternehmen verbunden sind. Arcadia Group setzt voraus, dass zur Kontrolle der Zugang zu allen Bereichen und Dokumenten in der Produktionsstätte ermöglicht wird, da ansonsten ein Vertragsverstoß vorliegt.6)
  • Ziel von Arcadia Group ist es derzeit, alle Fabriken zu einem guten oder mittlerem Ergebnis zu führen. Im letzten Jahr (Stand: 2014) wurde das Ziel bei knapp 80 % der Zulieferfabriken erreicht (nach Angaben von Arcadia Group). Fabriken, die bei den Audits sehr schlecht abschneiden, dürfen dem Unternehmen zufolge solange nicht weiter für die Marken produzieren, bis die Mängel behoben wurden.1)
  • Um eine Verbesserung im Audit-Management zu erreichen, wurde eine eigene Datenbank errichtet.1)
  • ABER: Es liegen uns keine Informationen vor, WELCHE unabhängigen Unternehmen die Audits durchführen und inwiefern die Kontrollen tatsächlich die Arbeitsbedingungen und Vorschriften überprüfen. Es gibt keine unangekündigten Audits, sowie externe Kontrollen.6)
  • Es kann nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Standards des Verhaltenskodexes tatsächlich umgesetzt werden. (Siehe außerdem: Vorwürfe)

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Im Jahr 2007 wurde der Arcadia Group seitens der Organisation People&Planet vorgeworfen, Stoffe aus usbekischen Baumwoll-Produktionsstätten zu beziehen, welche nachweislich Kinder beschäftigen. 7)
  • Eine TV-Dokumentation des britischen Nachrichtensender ITV vom 06.02.2014 zeigt eine Fabrik „Vase Apparels“ in Bangladesh, die für die Marke BHS produziert. Es werden Kinder von 13 Jahren gezeigt, die bis zu 11 Stunden täglich in der Textilfabrik arbeiten müssen. Die Dokumentation entlarvt die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der Fabrik. Außerdem zeigt die Dokumentation, wie den ArbeiterInnen Antworten für die Fragen der bevorstehenden Kontrolle vorgegeben werden. So sollen sie z.B. über die Arbeitszeiten und Bedingungen in der Textilfabrik lügen. Der Film wurde undercover von zwei Arbeiterinnen gedreht.8) Diese Aufzeichnungen lassen an der Glaubhaftigkeit der Audits des Unternehmens Arcadia Group insgesamt stark zweifeln.
  • Woher die weitere Baumwolle in den Produkten des Unternehmens stammt, ist uns nicht bekannt. Ein Großteil der Baumwolle auf dem Weltmarkt stammt aus Indien, Pakistan, Usbekistan und Ägypten. Von hier sind ernsthafte Vorwürfe über ausbeuterische Kinderarbeit im Baumwollanbau und Baumwollernte bekannt geworden.
  • Die Textilien des Unternehmens werden in asiatischen Ländern wie Indien und Bangladesh oder (womöglich) in südafrikanischen Ländern wie Lesotho oder Swasiland produziert. Aus diesen Ländern wird immer wieder über Kinderarbeit bei der Textilproduktion berichtet.
  • Ob das Unternehmen Produkte aus solchen Produktionsstätten oder Plantagen bezieht oder nicht, hat es uns nicht mitgeteilt. Soweit das Unternehmen keine wirksamen Kontrollen seiner eigenen Produktionsstätten und der seiner Vorlieferanten durchführen lässt, kann Kinderarbeit nicht ausgeschlossen werden.

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  • Arcadia Group wies den oben genannten Vorwurf bzgl. der Baumwollplantagen zurück und berief sich auf die Verantwortung der Zulieferer gegenüber ihrem Verhaltenskodex. 9) Inzwischen gibt das Unternehmen an, keine Baumwolle von der Plantage mehr zu beziehen.1)
  • Auch von den Zuständen in der Textilfabrik in Bangladesh will Arcadia Group nichts gewusst haben.10)

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Arcadia Group finanzierte das Benefits for Business and Workers (BBW) project, Teil des Responsible and Accountable Garment Sector (RAGS) Challenge Fund, iniitiert vom Department for International Development (DFID) Großbritanniens: Das Projekt sollte helfen, die Steuerungssysteme und Geschäftspraktiken in Textilfabriken in Bangladesh und Indien zu verbessern.1)
  • Das Unternehmen unterstützt die Hilfsorganisation Harmony House, die Hilfe und Bildung für benachtteiligte Kinder und Frauen anbietet.11)
  • Das Unternehmen nahm 2012 an einer Konferenz der ETI in Indien teil, die das Thema Ausbeutung von jungen weiblichen Wanderarbeiterinnen in der Textilindustrie anging.1)
  • Arcadia Group arbeitete mit der Bildungsorgansisation Tender Heart aus Indien zusammen.11)
  • BHS unterstützt die NSPCC, eine Organsiation, die sich für den Schutz von Kindern einsetzt.11)
  • Topshop unterstützt das Key to Freedom Projekt der Women’s Interlink Foundation, die Kinderen und Frauen Schutz anbietet, die Opfer von Zwangsprostitution, häuslichem Missbrauch und Menschenhandel wurden.11)

Bemerkenswertes

Gibt es Erwähnenswertes (positiv oder negativ) über das Thema „ausbeuterische Kinderarbeit“ hinaus in Bezug auf die Arbeits- und Produktionsbedingungen?

  • Es liegen uns hierzu keine aussagekräftigen Informationen vor.

 

 


Links und Quellen

  1. Arcardia Group: Ethical Trading; aufgerufen am 18. März 2014 [] [] [] [] [] [] [] []
  2. Arcadia Group: Supplier Code of Conduct; Part 2; aufgerufen am 18.03.2014  []
  3. Arcadia Group: Supplier Code of Conduct; Part 2; aufgerufen am 18.03.2014 []
  4. Arcadia Group Limited: Supplier Code of Conduct; Aufgerufen am 10.03.2014 []
  5. Arcardia Group: Ethical Trading; aufgerufen am 18. März 2014 []
  6. Arcadia Group Limited: Code of Conduct Guidebook, Part one: Code of Conduct and Factory Procedures; Aufgerufen am 10.03.2014 [] []
  7. People & Planet, 30.10.2007: Exposed: The forced child labor behind the UK high street. Take action now!; Aufgerufen am 10.03.2014 []
  8. The Guardian: Bangladesh garment factories still exploiting child labour for UK products; erschienen am 6.02.2014; aufgerufen am 17.03.2014 []
  9.  People & Planet, 30.10.2007: Exposed: The forced child labor behind the UK high street. Take action now!; Aufgerufen am 10.03.2014 []
  10. Saubere Kleidung: TV-Doku: Kinderarbeit in Bangladesch; erschienen am 13.02.2014; aufgerufen am 17.03.2014 []
  11. Arcadia Group: Fashion Footprint: Charities; aufgerufen am 18.03.2014  [] [] [] []

Bedeutung der Farbpunkte

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit

Firma hat Verhaltenskodex, der sich eindeutig gegen Kinderarbeit auch bei Lieferanten ausspricht, bzw. produziert ausschließlich unter Bedingungen, die Kinderarbeit strukturell ausschliessen.

Firma spricht sich gegen Kinderarbeit aus, hat aber keinen Verhaltenskodex oder ähnliches.

Firma hat weder Verhaltenskodex noch liegen uns andere Aussagen vor, in denen sie sich gegen Kinderarbeit ausspricht oder sie meint, dass die Problematik sie nicht betrifft (dies wird im Firmen-Detail erläutert).

Kontrollen der Produktionsstätten

Es gibt unabhängige Kontrollen in allen relevanten Produktionsstufen bzw. in allen relevanten Stufen der Lieferkette.

Es gibt nur interne,  nur teilweise (das heißt: nicht in allen relevanten Produktionsstufen bzw. nicht in allen relevanten Stufen der Lieferkette) externe bzw. unabhängige oder zweifelhafte externe Kontrollen.

Es gibt keine Kontrollen bzgl. Kinderarbeit oder die Firma macht dazu keine Angaben.

Vorwürfe bezüglich Kinderarbeit

Es gibt keine konkreten Vorwürfe oder es gab Vorwürfe, die aber glaubhaft widerlegt wurden oder sich nicht erhärteten.

Erhärteten Vorwürfen wurde nachgegangen und ‚positiv‘ reagiert. ‚Positiv‘ = Den betroffenen Kindern wird eine Alternative / Entschädigung geboten.

Es gibt ernstzunehmende Vorwürfe und es wird nicht oder ‚negativ‘ darauf reagiert. ‚Negativ‘ = Es gab nur interne Kontrollen, Vorwürfe wurden abgestritten oder die Geschäftsbeziehungen wurden einfach beendet.

Engagement gegen Kinderarbeit

Firma engagiert sich langfristig und aktiv gegen ausbeuterische Kinderarbeit, d.h. nicht nur mit Geldspenden.

Firma engagiert sich im sozialen Bereich, aber nicht direkt in Bezug auf Kinderarbeit oder lediglich mit Geld- oder Sachspenden.

Kein Farbpunkt: Uns liegen keine Informationen über relevantes soziales Engagement der Firma zur Verhinderung von ausbeuterischer Kinderarbeit vor.

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