Trotz internationaler Aufmerksamkeit ist Kinderarbeit in der Kakaoproduktion noch immer an der Tagesordnung

Ein Kind bei der Verarbeitung von Kakaobohnen | Bild: © Electrolito [CC BY-SA 3.0] - Wikimedia Commons

Geht man in einen Laden, um Schokolade zu kaufen, gibt es eine riesige Auswahl an Marken und Preisklassen. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass immer mehr Hersteller auf fair-trade Siegel setzen, um uns beim Kauf ein gutes Gewissen zu geben. Denn ähnlich wie bei Kaffee findet langsam ein Umdenken statt. So sind bereits vor Jahrzehnten die schlechten Arbeitsbedingungen der Kakaobauern in die Schlagzeilen geraten, was einen Großteil der Firmen dazu brachte, vermehrt auf eine saubere Herkunft zu achten – man wollte ja keinen schlechten Ruf bekommen. Eines der Hauptprobleme in den Herkunftsländern war, dass Millionen Kinder bei der Ernte eingesetzt werden und dabei extremen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind. Trotz aller Bemühungen konnte dieser Missstand jedoch bis heute nicht beseitigt werden und gibt immer noch Grund zur Sorge. Letztlich kann fast jede Schokolade aus afrikanischem Kakao mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden und selbst eine fair-trade Beschriftung gibt keine Garantie, dass Kinder nicht zum Einsatz kamen. Folglich werden nicht nur die Verbraucher bei ihrer Kaufentscheidung verunsichert – man muss leider auch zugeben, dass alle bisherigen Maßnahmen gegen Kinderarbeit im Kakaogeschäft nicht die erwünschte Wirkung gezeigt haben und sich die armutsbedingte Lebenswelt der Bauern trotz erhöhtem Engagement nicht verändert hat.1)2)

Die Hauptherkunftsländer des beliebten Rohstoffs sind Ghana und die Elfenbeinküste – immer noch gibt es auf fast jeder kleineren Plantage dort Kinderarbeiter. Beide Länder unterscheiden sich grundlegend von der Art der Behandlung dieser Kinder. In der Elfenbeinküste ist diese um einiges schlechter, denn dort kommen zunehmend Armutsflüchtlinge aus den Nachbarländern zusammen und werden größtenteils als Arbeitssklaven eingesetzt. Da die Anbaugebiete auf kleinen abgelegenen Plantagen liegen, ist eine Kontrolle von staatlichen Beobachtern sehr unwahrscheinlich. Deshalb können es sich die Plantagenbesitzer erlauben, ihre billigen Arbeitskräfte unterzubezahlen und auszubeuten. In Ghana ist die Situation zwar etwas besser, trotzdem bleibt den Bauern auch dort keine andere Wahl, als auf helfende Kinderhände zurückzugreifen. Der Hauptgrund dafür liegt bei den Spottpreisen, welche sie für ihre Kakaobohnen erhalten. Wenn wir in Europa eine Tafel Schokolade kaufen, erhalten die Bauern im Schnitt gerademal 6 Cent – stehen sie doch am Ende einer meist intransparenten Lieferkette. Eine Bäuerin sagte vor kurzem, als sie auf das Problem der Kinderarbeit angesprochen wurde, folgendes: „Ich kann das Gerede darüber nicht mehr hören. Wie soll ich Kinderarbeit vermeiden, wenn der Kakaopreis so niedrig ist? Ich kann keine Erntehelfer bezahlen!“ Tatsächlich leben selbst größere Bauern am Existenzminimum und sind auf primitive Anbaumethoden angewiesen, welche nebenbei auch umso anfälliger für Dürren und Pflanzenkrankheiten sind.1)3)

Die betroffenen Kinder hingegen haben ganz andere Sorgen. Nicht nur dass sie die Schule kaum besuchen können – sie zahlen für die schwere Arbeit auf den Plantagen einen hohen Preis. Ihre Einsatzmöglichkeiten  sind vielseitig. Sie pflücken und sammeln die Kakaoschoten, behandeln die Pflanzen mit Dünger und Pestiziden, tragen die Ernte zu Sammelplätzen und hantieren mit Macheten und anderen gefährlichen Gegenständen. Die Folgen sind neben schweren Schnittverletzungen insbesondere Rückenschmerzen, Juckreize und Insektenstiche. Schätzungen zufolge sind auf den westafrikanischen Anbaugebieten ca. 2,2 Millionen Kinder betroffen und die Beschäftigung von Kindern im Agrarbereich nimmt weltweit immer weiter zu – auch weil eine Kontrolle der kleinsten Standorte kaum möglich ist.1)4)2)

All diesen Widrigkeiten zum Trotz gibt es heute jedoch auch positive Entwicklungen zu betrachten. So besteht bereits eine überparteiliche Organisation, welche regelmäßig zusammenkommt, um Probleme und Fortschritte im Kakaohandel zu diskutieren – die internationale Weltkakaokonferenz. Erst im April ist sie in Berlin wieder zustande gekommen und wies erneut auf die Risiken eines sinkenden Kakaopreises hin. Es ist auf diesen Treffen ein wichtiges Anliegen, dass Lösungen und Perspektiven für die von Armut betroffenen Bauern vor Ort aufgezeigt werden. Als größten Kritikpunkt sieht sie ebenfalls die Intransparenz der Weltmarktpreise, welche die Armut der Bauern ermöglicht und somit ein Hauptgrund für Kinderarbeit darstellt. Auf der Konferenz hat sich auch die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu Wort gemeldet – ist Deutschland doch ein Hauptkonsument des afrikanischen Kakaos. Sie unterstützt einen nachhaltigeren Anbau und will den Anteil der fairen Schokolade von 45 Prozent auf 70 Prozent erhöhen. Was oftmals übersehen wird, ist jedoch, dass eine Zertifizierung recht teuer ist und die Kosten nicht von den untersten Schichten der Produktionskette getragen werden dürfen.5)

Heute wollen also fast alle großen Unternehmen und Institutionen wirklich etwas verändern – sei es auch nur aus Imagegründen – und trotzdem scheint keine Maßnahme wirklich Früchte zu tragen. Ist die Lage wirklich so hoffnungslos? Auf jeden Fall ist es wichtig, zertifizierte Schokolade zu bevorzugen. Denn selbst wenn diese nicht zu 100 Prozent frei von Kinderarbeit sein kann, ist sie immer noch weniger belastet wie unzertifizierte Schokolade. Außerdem finanzieren die Erlöse wichtige Qualitäts- und Produktivitätssteigerungen auf den Plantagen – so werden auch die benachbarten Bauern von den Vorteilen der fair-trade Organisation überzeugt und schließen sich ihr vielleicht ebenfalls an. Die Schokoladenindustrie kann natürlich einen Hauptteil für die Verbesserung der Situation beitragen. Denn sie ist es, die aus ihrem Profitinteresse heraus oftmals eben auch intransparente Lieferwege benutzt. Ein Boykott von Schokoladenkonsum wäre der falsche Ansatz – denn es haben weder die Bauern, noch die arbeitenden Kinder etwas von einem Wegbruch des Marktes.  Was man als Verbraucher wirklich ändern kann, wäre sich selbst bei den Schokoladenfirmen über die Herkunft des Kakaos und die Arbeitsbedingungen zu erkundigen. Nur so kann das Interesse an einer wirklich fairen Herkunft wachgehalten werden.2)6)

  1. deutschlandfunk: Die bittere Seite der Schokolade; Artikel vom 30.04.2018 [] [] []
  2. spiegel: Millionen Kinder müssen auf Kakaoplantagen schuften; Artikel vom 05.08.2015 [] [] []
  3. faz: Schokoladenhersteller kämpfen gegen Kinderarbeit; Artikel vom 29.01.2018 []
  4. noz: Beschäftigung von Kindern im Agrarbereich nimmt weltweit zu; Artikel vom 08.12.2017 []
  5. dw: Weltkakaokonferenz: Niedrige Preise treiben Afrikas Kakaobauern in die Armut; Artikel vom 24.04.2018 []
  6. fairtrade-deutschland: Fairtrade-Kakao; Artikel zuletzt aufgerufen am 12.09.2018 []

Über Lukas / earthlink

Ich bin Student und bin grade dabei meinen Bachelor in Politikwissenschaft und Soziologie abzuschließen. Während meines Studiums habe ich ein Semester im Ausland verbracht. Währenddessen habe ich mich aktiv mit Peace and Conflict studies beschäftigt. Um mich in diesem Kontext noch weiter zu informieren und selbst aktiv zu werden, habe ich mich für ein Praktikum bei earthlink entschieden.
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