Red Hand Day – ein Zeichen gegen Kindersoldaten

Bild: © Pierre Holtz / UNICEF CAR [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Jedes Jahr am 12. Februar, dem sogenannten Red Hand Day, protestieren Menschen gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten. Seit 2002 erinnert der Tag an das Schicksal von Kindern, die auf der ganzen Welt zu Einsätzen in bewaffneten Konflikten und Kriegen gezwungen werden. Die Rote Hand gilt weltweit als Symbol für den Schutz von Jungen und Mädchen, die in bewaffnete Konflikte ungewollt hineingezogen werden.  Durch öffentliche Proteste und Demonstrationen setzen sich Hilfsorganisationen und Zivilisten dafür ein, Druck auf PolitikerInnen national und international auszuüben.  Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten ist ein Zusammenschluss von zehn Nichtregierungsorganisationen mit dem Ziel, den Einsatz von Kindersoldaten zu stoppen. Auch an Deutschland hat das Bündnis Forderungen1).

Die Bundesrepublik ist unter den führenden Waffen-und Rüstungsgüterexporteuren weltweit. Dabei sind auch Konfliktregionen betroffen, in denen Kinder zwangsrekrutiert werden. Diese Umstände sind den Verantwortlichen der Rüstungsindustrie bekannt, werden jedoch völlig ignoriert. Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten appelliert dabei an die Bundesregierung, die Ausfuhr unverzüglich zu stoppen. Die benutzten Waffen in diesen Gebieten sind vor allem deutscher oder amerikanischer Herkunft. Des Weiteren gilt Deutschland als der zweitgrößte Exporteur von Kleinwaffen, die der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon als „Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet.2) Würde man den Waffenexport stoppen, könnten manche Konflikte gar nicht mehr weitergeführt werden3) . Der Bundestag sowie das Bundesverteidigungsministerium reagieren zwar mit einem Zuspruch für einen besseren Schutz von Kindersoldaten, doch an der Umsetzung der Versprechen deutscher Politiker mangelt es. Es reicht nicht aus, Gesetze zu verabschieden. Sie müssen auch eingehalten werden.2)

Obwohl der Red Hand Day schon internationales Gewicht erreicht sowie aktive Unterstützung der Vereinten Nationen bekommen hat, werden weltweit immer noch circa 250.000 Kinder als Soldaten missbraucht. Und das sowohl von Regierungsarmeen als auch von paramilitärischen Gruppen4) . Am schlimmsten trifft es die Kinder auf dem afrikanischen Kontinent. In der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan sind vor allem Minderjährige Opfer von Gewalt. Allein im Südsudan wurden seit 2013 mehr als 17.000 Kindersoldaten zwangsrekrutiert5) . Doch auch unser Konsumverhalten spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Länder in der zentralafrikanischen Region sind die ressourcenreichsten Staaten der Welt. Vor allem die Demokratische Republik Kongo verfügt über strategische Rohstoffe wie Gold, Erdöl, Uran und Coltan. Somit sind diese Länder für die Industriestaaten von unschätzbarer Wichtigkeit6) . Aus diesem Grund ist es kaum verwunderlich, dass die Konfliktzone der innerstaatlichen Kriege vor allem entlang der Abbauminen verläuft. Aufgrund dieser Konflikte zerfallen Staaten wie die Demokratische Republik Kongo in Territorien, die von Milizen mit Kindersoldaten kontrolliert werden. Denn Kinder sind „billig“. Sie sind das schwächste Glied in der Gesellschaftskette und damit ihren Unterdrückern schutzlos ausgeliefert. Diese Kriegsherren führen Geschäfte mit westlichen Unternehmen, denen es hierbei nur um die Ressourcen geht. Durch solche Abkommen finanzieren sich die Milizen für den Bürgerkrieg. Vor allem in Kobaltminen werden laut Amnesty International Tausende von Kindern ausgebeutet. Mehr als die Hälfte des weltweiten Rohstoffs stammt aus dem Kongo. Elektronikhersteller wie Apple, Samsung oder Sony bestreiten nicht, Kobalt aus Kinderarbeit für ihre Geräte zu nutzen. Es ist somit auch der westliche Egoismus nach billigen Rohstoffen, der für die politischen Instabilität und Zwangsrekrutierungen in Afrika verantwortlich ist7) .

Hilfsorganisationen wie World Vision oder UNICEF arbeiten mit hohem Druck an der Befreiung der Kinder. Den ehemaligen Soldaten soll ein Neuanfang ermöglicht werden. Dennoch ist damit die Aufgabe noch lange nicht getan. Kinder sind in den Konflikten zugleich Opfer und Täter. Aufgrund der Zwangsrekrutierung werden sie zu gewalttätigen Aktionen genötigt. Sie müssen unschuldige Erwachsene als auch Kinder überfallen und töten. Kindersoldatinnen werden dabei häufig von Fremden oder Personen aus der eigenen Armee sexuell missbraucht. Eine Befreiung stellt die Kinder vor neue Herausforderungen. Aufgrund der erlebten Grausamkeit müssen sie schwere Traumata bewältigen. Eine Rückkehr zur Normalität erweist sich als besonders kompliziert: Die Heimkehr der ehemaligen Kindersoldaten wird von ihren Gemeinden nicht akzeptiert, denn das Stigma ist groß: Das willkürliche Morden wird als unehrenhaft empfunden. Mörder werden als Aussätzige betrachtet, denen ein Zusammenleben mit „normalen“ Menschen verwehrt sein soll8)9) .

Leider kommen Befreiungen von Kindersoldaten immer noch zu selten vor. Ein Ende der Zwangsrekrutierungen ist nicht in Sicht. Ein Rückgang ist in erster Linie mit dem Frieden in den jeweiligen Kriegsregionen verbunden. Somit sieht das Deutsche Bündnis Kindersoldaten den Stopp der Rüstungsexportpolitik als einzigen Lösungsweg. Der Red Hand Day geht mit seiner Kampagne an die Öffentlichkeit, um die Schuld nicht nur den Krisenländern, sondern auch den Industriestaaten zuzuschreiben. Denn wie soll ein Ende erreicht werden, wenn sich Staaten mit dem weltweiten Einsatz gegen Kinderarbeit brüsten, gleichzeitig aber Waffen in Krisenregionen entsenden?10) .

  1. Plan International: Aktion Rote Hand; Stand 13.02.2018 []
  2. Terre des Hommes: Mitmachaktion: Rote Hände gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten; Stand 13.02.2018 [] []
  3. Entwicklungspolitik online: Red Hand Day – Deutsches Bündnis Kindersoldaten fordert Stopp von Kleinwaffenexporten; Artikel vom 12.02.2018 []
  4. Web: Kindersoldaten: Der Red Hand Day macht auf das Schicksal Zehntausender Kinder aufmerksam; Artikel vom 12.02.2018 []
  5. SOS Kinderdörfer weltweit: Red Hand Day: SOS-Kinderdörfer weltweit demonstrieren gegen den Missbrauch von Jungen und Mädchen als Soldaten; Artikel vom 09.02.2018 []
  6. whywar: Was hat mein Handy mit dem Krieg im Kongo zu tun?; Stand vom 13.02.2018 []
  7. Tagesspiegel: Woher kommen die Flüchtlinge?; Artikel vom 17.09.2015 []
  8. Neues Deutschland: Ein ganz normaler Student; Artikel vom 12.02.2018 []
  9. Frankfurter Rundschau: Wenn Kinder morden; Artikel vom 11.02.2018 []
  10. Die Linke: Waffenexport in Regionen mit Kindersoldaten – Bundesregierung macht sich unglaubwürdig; Artikel vom 09.02.2017 []

Über Sonja / earthlink

Ich heiße Sonja, bin 21 Jahre und studiere im 5. Semester European Studies an der Universität Passau. Ich mache mein Praktikum bei earthlink um einen Einblick in die Arbeit und Projekte einer NGO zu bekommen.
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