Kann ein Freihandelsabkommen mit Indien Kinderarbeit reduzieren?

Im Textilsektor müssen immer noch viele Minderjährige arbeiten (Symbolbild) | Bild: © ILO in Asia and the Pacific [CC BY-ND 2.0] - Flickr

In Südindien beging das 14-jährige Mädchen Balasubramani vor einigen Tagen Selbstmord. Nach einer 16-stündigen Schicht in einer Textilfabrik, wo Strickgarn zu Kleidung und Stoffen verarbeitet wird, erhängte sich das Mädchen in einem Schlafsaal. Frauen und Mädchen sind an ihrem Arbeitsplatz oftmals sexueller Belästigung und Einschüchterungen ausgesetzt. Insgesamt verrichten 17 Millionen Kinder Tätigkeiten in Fabriken und Betrieben. Einige unter ihnen werden prostituiert.1)

Indien beheimatet damit die meisten Kinder, die statt in die Schule zu gehen, arbeiten müssen. Obwohl die Kinderarbeit zwischen den Jahren 2000 und 2016 von 246 auf 152 Millionen zurückgegangen ist, nimmt die Ausbeutung der Minderjährigen vor allem in asiatischen Ländern nicht ab. Dies hängt auch mit der dort herrschenden Armut zusammen. In Indien lebt mehr als ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Viele indische Familien, vor allem aus ländlichen Gebieten, sehen sich aufgrund dessen dazu gezwungen, Kinder als zusätzliche Einkommensquelle zu nutzen. Problematisch ist der Teufelskreislauf der sich daraus ergibt: Viele der indischen Kinder erfahren keine Bildung. Das dadurch kontinuierlich sinkende Bildungsniveau wirkt sich negativ auf die Wirtschaft aus. Dies wiederrum begünstigt die Armut innerhalb der indischen Gesellschaft und führt zu Kinderarbeit. Die indische Regierung leitete mittlerweile Gesetzesänderungen ein, die die Beschäftigung von unter 14-Jährigen untersagt, solange sie nicht in einem Familienbetrieb aushelfen. Wie so oft sieht die Wirklichkeit jedoch anders aus.2)3)4)

Die indische Wirtschaftsleistung könnte jährlich durch ein Freihandelsabkommen mit der Bundesrepublik Deutschland um 1,3 Prozent wachsen. Auch die deutsche Wirtschaft würde um rund 5 Milliarden Euro reicher werden. Dennoch wurde ein deutsch-indisches Abkommen lange Zeit ausgeschlossen. Trotz der verheerenden Menschrechtsverletzungen in Indien, waren die Gründe, die gegen eine Zusammenarbeit sprachen, vorrangig wirtschaftliche. Deutschland will die hohen Zölle in Indien senken, Indien wittert dadurch aber eine Gefahr für die heimische Produktion. Zudem bringt ein Abkommen Nachteile für Dienstleister sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie, da Indien durch niedrige Löhne im Wettbewerb klar im Vorteil ist.5)

Dies könnte sich seit Anfang Oktober letzten Jahres jedoch ändern. EU-Kommissionspräsident Juncker, Vizepräsidentin Mogherini und Ratspräsident Tusk entschlossen sich zusammen mit Indiens Premierminister Modi in Neu Delhi für die Vertiefung der Handelsbeziehungen. Begründet wird dies auch mit geteilten Werten wie dem Glauben an Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit. Hinsichtlich der Situation vieler indischer Kinder klingt diese Aussage recht fragwürdig, denn frei sind diese keinesfalls. Mit einem Freihandelsabkommen würde zwar die wirtschaftliche Situation Indiens verbessert werden, ob die Unternehmen deshalb die Löhne der Kinder verbessern ist fraglich. Hinzukommt die Wettbewerbsfähigkeit der Textil-und Bekleidungsindustrie, in der Minderjährige arbeiten – Minderjährige wie Balasubramani.  Ob der Kinderarbeit damit entgegengewirkt wird ist fraglich.6)

  1. thenewsminute: Suicide at TN spinning mill marks child labour investigation; Artikel vom 10.02.2018 []
  2. SOS-Kinderdorf: Kinderarbeit in Indien; Stand 14.02.2018 []
  3. Globalisierung Fakten: Kinderarbeit Industrialisierung; Stand 14.02.2018 []
  4. United States Department of Labour: Child Labour and Forced Labor Reports; Stand 2016 []
  5. Spiegel: So könnte Deutschland mit einem EU-Handelsabkommen mit Indien profitieren; Artikel vom 29.05.2017 []
  6. Europäische Kommission: EU und Indien stärken strategische Partnerschaft; Artikel vom 06.10.2017 []

Über Malina / earthlink

Ich heiße Malina, bin 23 Jahre alt und studiere Politikwissenschaften und Soziologie in München.
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