Child Marriage Report: Täglich werden 20.000 Mädchen zwangsverheiratet

Nana (links im Bild) ist 16 Jahre alt und wurde schon im Alter von 13 Jahren verheiratet. Bild: © UNAMID [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

Kinderehen sind eine schwerwiegende Verletzung von Menschenrechten, die den betroffenen Kindern großes Leid zufügen. Vor allem junge Mädchen, meist aus eher einkommensschwachen Ländern, sind von ihnen betroffen und leiden ihr Leben lang unter den schlimmen Folgen, die solche Ehen mit sich bringen. Die Weltbank und Save the Children haben nun in einer neuen Studie erschreckende Zahlen zu dieser weltweit verbreiteten Praxis veröffentlicht. So werden jeden Tag etwa 20.000 Mädchen frühverheiratet, was jährlich eine Zahl von rund  7,5 Millionen Kinderbräuten, die illegal in eine Ehe gezwungen werden, ergibt.

Sicherheit, Bildung und Gesundheit. Vor allem diese drei  grundlegenden Menschenrechte werden Mädchen mit einer Frühverheiratung verwehrt. Was dabei entsteht, ist ein Teufelskreis aus dem sie und die in einer solchen Ehe entstandenen Kinder meist nicht mehr herausfinden. Mädchen, die früh heiraten, bekommen in der Regel sehr früh eigene Kinder und müssen in den meisten Fällen ihre Schulbildung frühzeitig aufgeben. Weniger Bildung bedeutet aber auch weniger Einkommen. Viele Kinderbräute leiden ihr Leben lang unter Armut. Außerdem erklärt Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland: „Viele frühverheiratete Mädchen sind Gewalt und Missbrauch ausgesetzt, zudem werden sie ihrer Bildungs- und Entwicklungschancen beraubt – das muss ein Ende haben“. Kinderehen sind also auch eine Form von sexueller Ausbeutung von Kindern und das macht deutlich wie wichtig ein konsequent umgesetztes Verbot dieser Verbindungen ist.

Doch auch wenn die Beseitigung dieser Heiraten eines der großen Sustainable Development Goals  der Vereinten Nationen ist und dieses somit bis 2030 erfolgreich umgesetzt werden soll, wird in der Realität nur schleppend etwas gegen die Kinderheiraten unternommen. Zwischen 2015 und 2017 haben neun Staaten entweder das Mindestalter oder bisherige Ausnahmeregelungen aufgehoben, wie etwa die Kinderehe mit der Einverständniserklärung der Eltern. Zwar gibt es diese Fortschritte in der Gesetzgebung einiger Länder, doch werden die neuen Gesetze in vielen Ländern schlichtweg nicht umgesetzt. So werden zwei Drittel aller Frühehen geschlossen, obwohl geltende Gesetze bestehen.1)2)

Besonders in  Afrika südlich der Sahara und in Südasien sind Kinderehen ein weit verbreiteter Brauch. Dort sind Gewohnheitsrecht, religiöse Gesetze, veraltete Traditionen und auch fehlende Sanktionen Gründe, weswegen die neuen Gesetze häufig nicht angewandt werden. „Gesetze allein sind nicht ausreichend. Es gilt im Namen aller Mädchen auf wirkliche Veränderungen hinzuarbeiten“, fordert daher Susanna Krüger. Eine solche Veränderung sollte vor allem im Bildungssektor vorgenommen werden. Denn wenn Mädchen eine bessere Schulbildung erhalten, ist es ihnen möglich, den Teufelskreis der Kinderehen zu durchbrechen. Laut Untersuchungen der Weltbank haben Frauen mit höherer Schulbildung mehr Einfluss auf ihre Lebensplanung und lassen sich in ihrer Familie und in der Arbeitswelt weniger unterdrücken und ausbeuten. Außerdem sinkt das Risiko während einer Schwangerschaft oder Geburt zu sterben, da diese Frauen mehr Informationen über ihren Körper und Gesundheit haben. Auch die Säuglingssterblichkeit ist umso geringer, je höher der Bildungsgrad der Mutter ist und gebildete Frauen setzen im Normalfall alles daran, ihren Kindern ebenfalls eine gute Schulbildung zukommen zu lassen. Die Folge dieser positiven Auswirkungen ist, dass Frauen mit einer guten Schulbildung später heiraten und weniger sowie später Kinder bekommen.3)4)

„Kinderehen abschaffen heißt vor allem auch Geschlechtergerechtigkeit schaffen. Solange Kinderehen existieren, werden Mädchen niemals die gleichen Chancen haben wie Jungen.“ summiert Expertin Kröger. Ein erster Schritt in diese Richtung wird hoffentlich bei der internationalen Konferenz zur Abschaffung der Kinderehen getan, die vom 23. bis zum 25. Oktober im Senegal abgehalten wird.1)

  1. Entwicklungspolitik Online: 20.000 Mädchen werden täglich illegal verheiratet; Artikel vom 12.10.17 [] []
  2. Save the Children: Child Marriage Report ; PDF vom 10.17 []
  3. Unicef: CHILD PROTECTION INFORMATION SHEET, Kinderheirat; Stand vom 13.10.17 []
  4. Unicef: Starke Frauen-Starke Kinder; Stand vom 13.10.17 []

Über Katharina / earthlink

Zurzeit studiere ich Politikwissenschaft an der LMU in München. Um meine freie Zeit in den Semesterferien sinnvoll zu nutzen, engagiere ich mich bei earthlink für eine gerechtere und nachhaltigere Welt.

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Ein Kommentar zu Child Marriage Report: Täglich werden 20.000 Mädchen zwangsverheiratet

  1. trenvay sagt:

    Eine schlimme Welt in dem wir Leben. Finde ich aber toll das man sich dafür einsetzen tut.Viele Grüße und macht weiter so.

    Lg Tren

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