Minderjährige aus Deutschland ziehen in den Dschihad

Bild: © Oleg Zabielin - Dreamstime.com

Dem Dschihad in Syrien und dem Irak schließen sich vermehrt Minderjährige aus Deutschland an.1) Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, sagte der „Rheinischen Post“: „Nach unseren Erkenntnissen sind mindestens 24 Minderjährige nach Syrien und in den Irak ausgereist.“ Der Jüngste sei 13 Jahre alt. Fünf Minderjährige mit Kampferfahrungen seien inzwischen aus dem Kriegsgebiet zurückgekehrt. Maaßen fügte hinzu, dass vier minderjährige Frauen mit der „romantischen Vorstellung einer Dschihad-Ehe“ ausreisten. Diese heirateten junge Männer, die sie als Kämpfer über das Internet kennengelernt hatten. Die Mehrzahl der minderjährigen Islamisten waren weder der Polizei noch der Verfassungsschutzbehörde bekannt. „Wir erfuhren von manchen erst durch nachrichtendienstliche Erkenntnisse von Partnerdiensten oder weil Eltern ihre Kinder als vermisst meldeten“, sagte Maaßen der Zeitung.2)

Ein großer Teil der Minderjährigen verfüge über einen Migrationshintergrund und hätte keinen festen Halt in der Gesellschaft. Laut Maaßen seien sie oft in der Schule gescheitert oder fühlten sich in ihrer Familie nicht zu Hause. Sie hätten niemanden gefunden, der sie anerkannte und würden versuchen, diese Anerkennung im Dschihad zu bekommen. Fühlten sie sich in Deutschland oft als „underdog“, würden sie in der Szene als Kämpfer für den Islamischen Staat als „topdog“ gefeiert werden. Oftmals seien die Jugendlichen über die Koran-Verteil-Aktion „Lies“ angesprochen worden und hätten sich daraufhin radikalisiert.2)  Diese Verteilaktion ist eine Kampagne, die 2011 von Salafisten gestartet wurde, um eine möglichst weite Verbreitung des Islams zu erreichen. Jedem Haushalt in Deutschland soll mit der Aktion ein Koran ausgehändigt werden.3)  Ein Verbot solcher Aktionen sei jedoch nicht möglich, solange die islamischen Extremisten im Rahmen der Gesetze handeln: „Wir können Missionierungen nicht unterbinden.“

Beim Bemühen, die Anwerbung deutscher Dschihadisten zu verhindern, sieht Maaßen die gesamte Gesellschaft gefordert. „Wenn das Problem uns als Nachrichtendienst erreicht, ist es eigentlich schon zu spät“, sagte er. „Entscheidend ist, dass Menschenfängern keine Gelegenheit gegeben wird und dass wir potenziell Gefährdete so früh wie möglich immunisieren.“2)

  1. Der Spiegel: Islamismus: 13-jähriger zieht aus Deutschland in den Dschihad – zuletzt aufgerufen am 22.09.2014 []
  2. Rheinische Post: Verfassungsschutzpräsident Maaßen: „Schon jugendliche ziehen aus Deutschland in den Dschihad“ – zuletzt aufgerufen am 22.09.2014 [] [] []
  3. Die Welt: Ein Koran in jedem deutschen Haushalt – zuletzt aufgerufen am 22.09.2014 []

Über simone / earthlink

Hi, ich bin die Simone und studiere Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre. Bei Earthlink will ich die Arbeit in der Entwicklungspolitik kennenlernen.

Dieser Beitrag wurde unter Internationales, Politik abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.