Burkina Faso: Mine statt Schule

Gold wird immer teurer. So teuer, dass in Burkina Faso in den letzten drei Jahren ein regelrechter Goldrausch ausgebrochen ist. Im ganzen Land sprießen neue Minen aus dem Boden. Neben einigen großindustriellen Minenunternehmungen gibt es etwa 800 traditionelle Kleinstbergbaubetriebe. Rund um die Minen entstehen in Windeseile neue Dörfer und Kleinstädte. Das im Zentrum Burkina Fasos gelegene Pousguin erlebte innerhalb eines Monats ein Anwachsen der Bevölkerung von 10000 auf 35000 Einwohner. Vor Kurzem war dort ein neues Goldvorkommen entdeckt worden. Unter den neuen Bewohnern sind auch Kinder, viele von ihnen in den Minen beschäftigt. Sie klopfen Steine, waschen Gold oder arbeiten als Träger.

Der steigende Goldpreis hat die Bergarbeit so profitabel gemacht, dass zahlreiche Kinder die Schule abbrechen um den gefährlichen Arbeiten in den Minen nachzugehen. Nur noch ein Drittel der Schüler erreicht einen Schulabschluss. Das bereits 2001 gestartete Regierungsprogramm mit dem Ziel bis 2015 eine Einschulungsquote von 100% zu erreichen blieb weitgehend wirkungslos. Schon fünf Jahre alte Kinder werden heute zum Bergbau eingesetzt. Schätzungen zufolge sind bis zu 1,25 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren in Burkina Faso als Kinderarbeiter tätig, etwa die Hälfte davon in den zahlreichen Minen des Landes.

Vor diesem Hintergrund gab das US Arbeitsministerium am 30. August die Bereitstellung von 5$ Millionen Dollar zum Kampf gegen Kinderarbeit in Burkina Faso bekannt. 1) Die Wirkung des Programms bleibt jedoch fraglich. Schon das mit 118 Millionen Dollar weit umfangreichere Regierungsprogramm kann allenfalls als Teilerfolg gewertet werden. Nur zeitweise konnte durch Essensausgaben an den Schulen verhindert werden, dass Eltern ihre Kinder in die Minen schickten. Dauerhaft gelingt dies eher selten, wie Herman Zoungrana, Projektmanager von Terre des Hommes in Burkina Faso, bestätigt: „Man kann heute 100 Kinder zurück in die Schule bringen und schon am nächsten Tag sind sie an einen anderen Ort umgezogen, weil dort ein neues Vorkommen gefunden worden ist.“ Das Bildungsministerium plant daher zu Beginn des neuen Schuljahrs Mitte September ein generelles Verbot für Kinderarbeit in den Minen zu erlassen. 2) 3)   Es bleibt zu hoffen, dass dieses Vorhaben tatsächlich um- und durchgesetzt werden kann.

 

 

 

 

  1. US Department of Labor[zurück zum Text]
  2. IRIN – Burkina Faso: Gold rush hits education[zurück zum Text]
  3. IIED – Small-Scale Mining in Burkina Faso[zurück zum Text]
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Eine Antwort auf Burkina Faso: Mine statt Schule

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