Verfassungsrechtlicher Kinderschutz im Niemandsland Somalia

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Somalische Politkräfte haben letzte Woche eine provisorische Verfassung verabschiedet, welche grundlegende Schutzrechte für Kinder formuliert. Missachtung und Missbrauch von Kindern sei verboten. Kinder sollen in Zukunft ein Recht auf elterliche Erziehung und freie Bildung bishin in weiterführende Schulen genießen. Ebenso sind Zwangsheirat sowie Verwendung von Kindern als Soldaten offiziell untersagt. Viele der aufgeführten Rechte und Schutzklauseln werden unbeachtet und ungesühnt verletzt, Kinder von islamistischen Kräften zum bewaffneten Kampf gezwungen und das nicht zuletzt, weil an der Staatsfähigkeit der ostafrikanischen Nation insgesamt gezweifelt werden muss.

Am Beispiel des 10-jährigen Abdi wird deutlich, welchem Überlebenskampf somalische Familien alltäglich ausgesetzt sind. Abdi ist obdachloser Straßenarbeiter und unterstützt eine somalische Frau beim Verkauf von Khat. 1) Angekaute Blätter, die die Käufer achtlos auf die Straße werfen, sammelt der Junge ein, um die besten am Ende eines jeden Tages selbst zu verkaufen. Unter einem Dollar pro Tag verdient Abdi bei dieser Arbeit – gerade genug um das Überleben seiner Mutter und jüngeren Schwester zu sichern. Ihm selbst bleibt an einigen Tagen nur ein Bissen Brot übrig. 2)

Die verfassungsrechtlichen Bemühungen machen wenig Hoffnung für die Zukunft der somalischen Kinder. Der Einfluss der somalischen Politik reicht kaum über Mogadischu hinaus. Das Land ist erschüttert von vorangegangenen bewaffneten Konflikten. Obwohl die Gewalt in Somalia zurückgeht, steigt das Maß an Straßenarbeit und Armut an. Schwere politische Zerwürfnisse sowie islamistische Kräfte hemmen eine Staatsentwicklung extrem. Das Land ist unterteilt in offiziell regierte Bereiche wie Mogadischu, auf das sich im Wesentlichen die Existenz der Nation Somalia beschränkt, Gebiete ohne jegliche Staatsgewalt sowie die nördlich liegenden, beinahe autonom agierenden Ländereien Puntland, Somaliland, Galmudug oder Jubaland. Traditionelle Gewerbe, wie das der Fischerei, wurden verdrängt und scheinbar lukrativere Erwerbsgrundlagen wie Piraterie haben sich tief in Somalia verwurzelt. Die Nation unter ihrem Staatsnamen ist ein gescheiterter Staat.

Die Verfassung wird sich nicht durchsetzen. Die Regierungskräfte können angesichts der vorherrschenden Armut nicht den nötigen Einfluss entwickeln um den Schutz der Kinder durchzusetzen. Aufgrund der vergangenen Konflikte wird Somalia durch eine weitestgehend ungebildete Generation getragen. Die Einwohner sind zu arm, als dass man es sich leisten könnte die eigenen Kinder als Erwerbsgrundlage zu verlieren. Nur ein Bruchteil der Kinder hat das Glück eine Schule zu besuchen, wenngleich Somalia wenige berufliche Perspektiven bieten kann. 2)

  1. s. Khat (Quat) Übersicht Drogen[zurück zum Text]
  2. Somali constitution makes big promises to children – Huff Post[zurück zum Text][zurück zum Text]

Über oliver / Earthlink

ehem. Praktikant bei Earthlink, Student der UniBw München - Neubiberg, Staats- und Sozialwissenschaften (Internationales Recht und Politik), Leutnant zur See, Marineoffizier
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