Kamaiya-Opfer im Kampf gegen Sklaverei von Tharu

Bild: © n.v. -

 

Shanta Chandhary ist eine Tharu. Ihr wurde ein Schicksal zu Teil, gegen das sie sich heute einsetzt und welches nach wie vor über 1000 Mädchen in Westnepal betrifft.

Während die in Nepal lang angehaltene Leibeigenschaft vor einem Jahrhundert aufgelöst wurde, erhielt sich mit dem Kamaiya ein System, das 6-Jährige Tharu dazu verpflichtete, in den Dienst örtlicher Landesherren zu treten und dort Arbeiten zu verrichten, die die Opfer selber als “Torturen” 1) bezeichnen. Die Tharu, die aufgrund ihrer natürlichen Immunität gegen Malaria lange isoliert in der Terai-Region ansässig waren, wurden mit der Auslöschung der Krankheit zunehmend durch nepalesische Umsiedler verdrängt. Das besitzlose, fast ausschließlich von Agrarwirtschaft lebende Volk, lebt seither in weitreichender Abhängigkeit von den örtlichen Landeigentümern.

Im Rahmen des Kamaiya-Systems sind die Familien der Tharu aufgrund der extremen Armut gezwungen ihre Kinder an vorwiegend regionale Landbesitzer zu verkaufen. Darüber hinaus werden die sogenannten “Kamlari” auch innerhalb staatlicher Behörden und öffentlicher Ämter ausfindig gemacht. Shanta Chandhary erlitt über 18 Jahre alltägliche Gewalt und musste Arbeiten verrichten, die die körperlichen Fähigkeiten eines Kindes übersteigen. 2006 wurden Chandhary und viele weitere Sklaven per nepalesischem Gerichtsbeschluss aus ihrer Unterwerfung befreit, nachdem die Regierung bereits im Jahr 2000 die Auflösung des Kamaiya beschloss. 2 Jahre nach dem Gerichtsurteil wurde Chandhary zur Abgeordneten des nepalesischen Parlaments und setzt sich bis heute mit einem breiten Einfluss für den Abbau von Kinderarbeit in Nepal ein.

Unter einst 14.000 Kamlari werden heute immernoch ca. 1000 vermutet, die nach wie vor kindesfeindliche Dienste verrichten müssen und trotz des gesetzlichen Verbots bis in ihr Erwachsenenalter als Sklaven beschäftigt werden. Das Problem der Kinderarbeit in Nepal betrifft jedoch nicht nur die Tharu, sondern gilt vielmehr als genereller Konfliktpunkt in der nepalesischen Politik. Während Kinder bis 14 Jahre immer seltener zu Arbeit gezwungen werden, steigt die Kinderbeschäftigung in höheren Altersegmenten immer noch, so Gauri Pradhan von der internationalen Menschenrechtskommission. 1)

  1. mysinchew.com: Nepal’s ‘kamlari’ girls break the bonds of slavery[zurück zum Text][zurück zum Text]
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