Uganda: Vom Kindersoldaten zum Akademiker

Bild: © n.v. -

Julius Okello war neun Jahre alt, als er während eines Fußballspiels in seinem Dorf von Soldaten aufgegriffen und verschleppt wurde. Die Soldaten gehörten der ‘National Resistance Army’ (Nationale Widerstandsarmee) an. Bei Rebellentruppen wie der ‚Lord‘s Resistance Army’ (Widerstandsarmee des Herrn), war schon früh bekannt, dass sie Kindersoldaten rekrutierten. Doch Okello kämpfte nicht für die Untergrundkämpfer, sondern für das ugandische Militär. Denn nur wenige Monate später wurden aus den Untergrundkämpfern Staatsangestellte, da ihr Anführer Yoweri Museveni Präsident wurde. Noch heute bekleidet dieser das Präsidentenamt und seine Regierung bestreitet nicht, dass es auch Kindersoldaten in der Armee gegeben hat. Schätzungen zufolge sollen es in den achtziger Jahren etwa 3000 Kinder gewesen sein. Das was sich unterscheidet, sind die Geschichten über die Lebensbedingungen der Kinder. Laut Armeesprecher waren die Kinder freiwillig zur Truppe gestoßen, da sie im Kriegstreiben kein Zuhause mehr gehabt hätten und von den Kämpfern Unterschlupf erhielten. Sie wären nur zu ihrer eigenen Sicherheit bewaffnet gewesen und hätten ausschließlich kleinere Aufgaben, wie kochen und Wäsche waschen, erledigt.
Doch zahlreiche Kindersoldaten erzählen eine ganz andere Geschichte. Viele von ihnen, wie Julius Okello, berichten, dass sie gezielt als Soldaten in den Krieg geschickt wurden. 22 Jahre lang diente er in der Armee, deren Kämpfe auch nach der Machtübernahme nicht weniger wurden. Ständig musste man gegen aufständische Truppen und Oppositionelle vorgehen, Zeit zum Ausruhen gab es wenig, der Krieg wurde dadurch zum einzigen Lebensinhalt. Jedem Kind wurde ein Erwachsener zugeteilt, als eine Art Mentor und Aufpasser. Hier zeigt sich, dass trotz der schrecklichen Lebensbedingungen die Truppe auch so etwas wie seine Familie darstellte. Julian Okello erzählt von seinem Aufpasser als einem Mann, der ihm Hoffnung und Halt gab. Doch auch dieser wurde durch eine Kugel aus seinem Leben gerissen. Zwar gründete die NRA eigene Schulen für verwaiste Kindersoldaten. Doch Okello musste jahrelang betteln bis er endlich mit 16 auf eine öffentliche Schule gehen durfte. Dort holte er den verpassten Stoff während nächtlicher Überstunden nach und schaffte seinen Abschluss. Nach seinem Studium erhielt er für seinen Master in Friedens- und Konfliktforschung ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Zwischendurch kehrte er immer wieder zu seiner Einheit zurück, bis er 2007 endlich offiziell vom Dienst befreit wurde. Heute arbeit er in seinem selbst gegründeten Institut für Konfliktforschung in Kampala. Okella möchte durch seine Arbeit auf die schweren Schicksale der Kindersoldaten aufmerksam machen, sein Institut konnte die Arbeit jedoch noch nicht aufnehmen, da ihm keine Forschungsgelder bewilligt wurden.

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