H&M-Check in der ARD: Fairness „zweifelhaft“?

Bild: © n.v. -

Gestern zeigte die ARD den Markencheck des Top-Textilunternehmens H&M, für den Deutschland den größten Absatzmarkt darstellt. Geprüft wurden die Kategorien Preis, Qualität, Trendfaktor und Fairness. Die ganze Sendung begann eigentlich mit viel Spaß. Vier Mädels stürmten die Läden Esprit, kik, C&A und H&M um sich die billigsten und trendigsten Outfits auszusuchen.
Zunächst wurde der Nachhaltigkeits-Manager von H&M interviewt und beteuerte, das Unternehmen achte auf faire Arbeitsbedingungen und die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen. Anschließend ging es nach Bangladesch, wo die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Näher der H&M-Mode „untersucht“ wurden. Die Reporter der ARD besuchten undercover vier Fabriken, in denen nur eine nachweislich für H&M produzierte. In den restlichen drei wurden zwar andere deutsche Label gefunden, H&M aber nicht.
In unseren Augen sind die gezeigten Arbeitsbedingungen in Bangladesch definitiv nicht „zweifelhaft“, sondern schlichtweg unfair. Zwar konnte die Kinderarbeit beim Markencheck (und nach unseren Informationen) nicht zu hundert Prozent belegt werden, jedoch ist Kinderarbeit nicht der einzige Gesichtspunkt beim Thema faire Arbeitsbedingungen. Der von H&M gezahlte Mindestlohn in Bangladesch ist zwar legal, unserer Ansicht nach allerdings menschenunwürdig und nicht legitim.
Auch kommen wir nicht umhin, von einem multinationalen Konzern wie H&M mehr zu erwarten: transparentere Produktionsketten, externe Kontrollen sämtlicher Produktionsstätten (Woher kommt zum Beispiel die Baumwolle??) und Löhne, die ein menschenwürdiges Leben für alle Familienmitglieder ermöglichen.
Positiv empfanden wir die Ausstrahlung zur „Prime-Time“ auf einem Hauptsender, da viele Menschen erreicht und angesprochen wurden. Der Unterhaltungswert stand deshalb natürlich etwas im Vordergrund, was zur Folge hat, dass der Markencheck teilweise etwas oberflächlich wirkt.

Link zur Sendung “Der H&M-Check”

 

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7 Antworten auf H&M-Check in der ARD: Fairness „zweifelhaft“?

  1. Schueler sagt:

    Ich bin zwar noch Schüler aber ich habe wenig Verständnis dafür wenn wir – um ein paar Cent zu sparen – NUR noch billig kennen. Das Billig oft von “billigen Löhnen und billigen Arbeitsbedingungen” kommt sollte zwischenzeitlich jedem Klar sein. Presse und Internet sollten darüber öfter berichten … steter Tropfen höhlt den Stein.

  2. gabi sagt:

    … billig produzieren kann man anscheinend nur mit billigen Arbeitskräften in Asien etc. und billig bezieht leider die Arbeitsbedingungen mit ein. Leute die gut verdienen ( am besten Doppelverdiener ) können auf andere Marken / Firmen ausweichen – aber hartz4empfänger haben da nicht unbedingt eine Wahlmöglichkeit. Aufklärung durch die Medien ist daher angesagt damit all das nicht sofort vergessen wird …

  3. Brigitte sagt:

    Wie bei den meisten anderen Billigketten werden Menschen in Asien für Massenproduktionen ausgebeutet. Besonders die Kinder müssen unten harten Arbeitsbedingungen leiden und haben keine Chance auf eine gute Bildung.

    • Sissi sagt:

      Ja. Ich finde aber auch, dass der Ottonormal verbraucher davor nicht die Augen verschließen sollte. Aber am Schlimmsten finde ich immernoch, dass viele Kinder als 18 ausgegeben werden nur damit sie arbeiten können oder wenn ein Kind wegen Gesundheitsschäden seinen Sumangalivertrag nich erfüllen kann, dass es dann kein Geld für die geleistete Arbeit bekommt.

  4. Louisa sagt:

    Danke für den tollen Artikel!! Leider habe ich diese Sendung nicht gesehen. Es hört sich hart an, aber ich dachte die Arbeitsbedingungen wären noch schlimmer als genannt, obwohl diese nun wirklich wie schon gesagt nicht menschenwürdig sind. Ich persönlich finde, dass H&M zwar schöne Klamotten hat, allerdings möchte ich dort nicht weiter Einkaufen. Ich gebe lieber mehr Geld für meine Kleidung aus und weiß dann, dass sie nicht unter schlimmen und nicht zumutbaren bedingungen hergestellt wurden.
    Danek für die tollen Informationen!
    LG Louisa

    • Lukas / EarthLink sagt:

      Hallo Louisa,
      vielen Dank für dein Lob! Es freut uns sehr, dass sich wie du immer mehr Konsumenten Gedanken über die Bedingungen machen, unter denen Produkte hergestellt werden. Denn wir als Verbraucher haben die Möglichkeit, Druck auf Unternehmen auszuüben und so Dinge zu verändern.
      Die Sendung zu H&M kann man übrigens auch online ansehen, der Link dazu steht jetzt unter dem Artikel.
      Gruß, Lukas

    • Lara sagt:

      Dort nicht mehr konsumieren bringt den Menschen in Asien etc. auch nicht viel, außer, dass sie vielleicht ihren Job verlieren.
      Zara, Kik, Tom Tailor, Carharrt usw. lassen alle dort produzieren. Ich denke, dann kann man fast gar nichts mehr kaufen, das wird noch Jahre dauern, bis wir so weit sind –
      Viel wichtiger ist denke ich, dass diese einen gerechten Lohn erhalten und das Geld nicht nur in die Werbung, Filialen etc. fließt.

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