Myanmar: Mehr Kindersoldaten?

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Bild: © n.v. -

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sagte am Mittwoch, dass vermehrt Beschwerden darüber, dass die myanmarische Armee vermehrt Kinder als Soldaten rekrutiert, eingereicht würden. Steve Marshall, der ILO Kontaktmann in Rangun, betont jedoch, dass die erhöhte Anzahl an Beschwerden die Folge einer Kampagne, die die Aufmerksamkeit der Bevölkerung erregen sollte, sei. Von daher könne man die Zahlen nicht so interpretieren, dass die myanmarische Armee nun mehr Kinder rekrutieren würde. Momentan gäbe es keinerlei Hinweise auf aktives Rekrutieren von Kindern, auch nicht in den Krisengebieten. Von Januar bis Juli 2011 hat das Büro der ILO in Rangun 424 Berichte oder Beschwerden erhalten, von denen 326 Fälle schon dem Militär berichtet wurden, während 98 noch von der ILO untersucht werden. Thet Wai, ein Mitarbeiter einer Freiwilligennetzwerkes das eng mit der ILO zusammenarbeitet, sagt, dass in letzter Zeit mehr Beschwerden von Familien kommen, deren Kinder rekrutiert wurden.

2004 hat die Regierung in Myanmar einen Ausschuss gebildet, der das Problem der Kindersoldaten untersuchen sollte. Seit dem leugnet die Regierung offiziell, dass es Kindersoldaten in Myanmar gibt. Der ILO zufolge steigt allerdings die Anzahl der berichteten Kindersoldaten von Jahr zu Jahr. Ein anderer Mitarbeiter des Netzwerkes, Ko Soe, meint, dass der Anstieg der Rekrutierungen von Kindern eine Folge der Feindlichkeiten zwischen bewaffneten ethnischen Gruppen und den Regierungstruppen sei.

Er sagt, dass Kinder oft versuchen würden von den Armeestützpunkten zu flüchten, aber wenn sie erwischt werden, bekommen sie dafür eine Gefängnisstrafe. Das Freiwilligennetzwerk legt dar, dass der ILO 12 Fälle von Kindern, die wegen Fahnenflucht im Gefängnis sitzen, berichtet wurden. Von diesen 12 wurden bis jetzt jedoch nur vier wieder entlassen.

Mau Mau, der auch dem Freiwilligennetzwerk angehört, sagt, dass Mitglieder der Solidaritäts- und Entwicklungspartei (Union Solidarity and Development Party) und Opportunisten als Zwischenhändler fungieren um Kinder für die Armee zu rekrutieren. Als Vermittlungsgebühr verdienen sie 50 000 bis 70 000 Kyat (umgerechnet etwa 63 bis 88 US-Dollar) pro Kind.

Das größte Problem für die Familien der rekrutierten Kinder ist die Tatsache, dass die Armee die Kinder sofort an einen anderen Stützpunkt schaffen lässt und sie so keine Möglichkeit haben, ihre Kinder zu kontaktieren. Einer Schätzung von Human Rights Watch aus dem Jahr 2002 zufolge, gibt es in Myanmar rund 70 000 Kindersoldaten, die sowohl für die Armee als auch für bewaffnete Gruppen arbeiten.

Vor kurzem verabschiedete der UN Sicherheitsrat eine Resolution gegen das Anwerben von Kindersoldaten und drängte die Staaten, Kindesmissbrauch, einschließlich Vergewaltigungen und Attacken auf Schulen, zu verhindern. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte, die gegenwärtige Resolution sei die achte seit 1998, die Nationen und Armeen für das Einstellen von Kindersoldaten und begangenen brutalen Kindesmissbrauch verurteilt. Das Abkommen war eine Initiative Deutschlands, das momentan den Vorsitz im Sicherheitsrat hat.

Quelle: Artikel auf The Irrawaddy (nicht mehr verfügbar)

Über amelie / EarthLink

Ich bin gerade fertig geworden mit meinem Bachelor of Arts in European Studies an der Universität in Maastricht, Holland. Um ein bisschen Arbeits- und Lebenserfahrung zu sammeln mache ich momentan ein Praktikum bei Earthlink, bis ich im Herbst einen Master-Studiengang in International Security and Law in Dänemark beginne. Bei Earthlink schreibe ich Blogeinträge für die Website Aktiv gegen Kinderarbeit und bin mit Recherche für das Projekt Facing Finance beschäftigt.
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