Ecuador auf gutem Weg

Bild: © n.v. -

Wenn man heutzutage eine Banane in einem europäischen Supermarkt kauft, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß diese aus Ecuador stammt. Das südamerikanische Land ist der weltweit größte Bananen-Produzent. Rund ein Drittel der jährlichen 5.000 Tonnen an Bananen werden nach Europa exportiert. Zu den bekannten Firmen zählen beispielsweise Dole, Del Monte und Chiquita.

Noch vor zehn Jahren war die Wahrscheinlichkeit groß, daß diese Bananen durch Kinderhände gepflückt wurden. 2002 jedoch enthüllte Human Rights Watch das schockierende Ausmaß an ausbeuterischer Kinderarbeit in der Bananan-Industrie. Auf den Bericht der NGO folgte eine Welle von Medienberichten aller Art, die unmittelbare Wirkung in Ecuador erzeugten. Das Arbeitsministerium erklärte daraufhin die Bekämpfung von Kinderarbeit zur “Chefsache” und setzte die Bananen-Industrie somit vehement unter Druck.

Zehn Jahre später läßt sich feststellen, daß große Fortschritte gemacht wurden, und daß Ecuador auf gutem Wege ist, ausbeuterische Kinderarbeit von seinen Bananenplantagen zu verdammen. “Weder die Regierung noch die Produzenten können sich schlechte Schlagzeilen leisten. Die Bananen-Industrie ist zu lukrativ geworden”, so Gustavo Guerra, Technischer Leiter der Agentur für den Schutz von Kindern (DYA).

Dennoch warnen Kinderschutz-Organisationen, daß eine rigide Gesetzgebung das Problem oft lediglich aus dem Sichtfeld der Öffentlichkeit schiebt. “Das Problem entsteht, wenn die gesetzlichen Regulierungen nicht den informellen Sektor erreichen, in dem die Kinder oft noch größeren Mißhandlungen ausgesetzt sind”, so Jonathan Blagbrough von Save the Children UK. Während die großen Plantagen weitestgehend von Kinderarbeit befreit sind, sind es die kleinen, familiären Betriebe, die den Augen der Inspekteure verborgen bleiben. Viele dieser Familien müssen von weniger als einem US-Dollar pro Tag leben und können es sich somit nicht leisten, daß ihre Kinder nicht bei der Arbeit mithelfen. Hier scheint nun eine Lösung in Sicht: Am 17. Mai stimmten die Ecuadorianer in einem nationalen Referendum mit überwältigender Mehrheit für ein obligatorisches Registrieren eines jeden Arbeitnehmers. Dies würde jeden Betrieb dazu zwingen, seine Mitarbeiter beim Arbeitsministerium zu melden und ihnen angemessene Verträge und Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Mehr noch als die gesetzliche Verodnung wird das breite öffentliche Interesse die Regierung dazu zwingen, mehr Ressourcen in die Bekämpfung von Kinderarbeit zu investieren und somit mehr Kontrollen durchzuführen und den Druck auf kleinere Betriebe zu erhöhen.

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Über christian / EarthLink

Projektmitarbeiter, zuständig für die Entwicklung und Durchführung von Projekten bzw. Kampagnen, Fundraising, Einarbeitung und Betreuung von Praktikanten und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aktuelle Projekte: Aktiv gegen Kinderarbeit, Drogen und Entwicklung, Facing Finance
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